Lifestyle, Mode, Style Crush

Style Crush – Manuel Iljitsch und David Jenal

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Sie sind zugezogene Texter und Geschichtenerzähler – für beide besteht Lebensunterhalt und Tagesbewältigung im Wort, ob geschrieben, gesprochen, verfilmt oder digitalisiert. David Jenal, der ehemalige Modekritiker von Dandy Diary und damit konsekutiverweise der „wichtigste Modekritiker Deutschlands“ für die beiden Gründer des „führenden Deutsche Männer-Modeblogs“ ist im Original Stuttgarter, Student der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation und Konzeptschreiberling für Imagefilme. Ähnlich liest sich auch das Portfolio von Manuel Iljitsch, der ebenfalls kein klassischer Printtexter, sondern Ideenfinder für VoiceOvers, Werbe-, Mode- und Dokumentarfilme ist. Er schreibt Kurzfilme und -geschichten, steht vor und hinter der Kamera, ist Ghostwriter für so ziemlich „alles in den letzten Jahren veröffentlichte“ und nutzt sein Telefon dafür seine Erzählerstimme für Mini-Hörbucher aufzunehmen. Auf InstaStories lenkt er manchmal das ganze BB-Office ab, indem er uns mit seiner Online-Poesie zum Lachen bringt: Er synchronisiert seine eigenen Kindheitsfotografien mit reduzierter Desillusionierung und im Stil der neuen Sachlichkeit. Der Stuttgarter David Jenal dagegen polemisiert und bringt auf den Punkt, in Interviews, Kurznews, Abstrakten und Modeverrissen. Sein minimalistisch moderner T-Shirt- und Hoodie-Style bietet dabei den idealen Rückzugsort, auch wenn nicht ganz so gut wie die schweizer Alpen. Manuel Iljitsch sieht aus, wie das Model aus einer retro Parfumwerbung mit dem Zusatz „For Men“, die vor dem Höhepunkt der Metrosexualität hätte erscheinen können – so richtig mit Brustbehaarung, Bart und Schreibmaschine. Modisch und äußerlich sind die beiden also wie Feuer und Eis, stilistisch nuanciert, beruflich und sozial ziemlich auf einer Ebene. Zusammen wagten sie ein gesellschaftlich empirisches Experiment, sprangen auf den Landlust-Hype älterer Generationen auf und begingen Stadtflucht. Wir haben ihr Unterfangen bei Social Media verfolgt, als hätten wir selbst neben der ein oder anderen Kuh und auf der Alm gestanden, und es uns nicht nehmen lassen sie zu Text zu bitten. Ein Gastbeitrag von David Jenal und Manuel Iljitsch:

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Es ist ein altes Narrativ: gestresste Wahlberliner suchen Ruhe in der Einöde. Endlich mal zu sich kommen, endlich mal all das machen, was man sonst nicht schafft, vor lauter Sozialstress. Es ist ja so: mit den immer gleichen, schönen Leuten hängt man an den immer gleichen, fragwürdigen Orten. Und alle jaulen, dass sie da sein und umsonst saufen und das Goodiebag schleppen müssen, das gehört nicht nur zum guten Ton, das ist der eigentliche Akkord dieser Treffen. So ein bisschen Tragik verleiht das der (an sich recht schlichten) Situation, und Tragik zeugt von deepness, und deepness ist ein wichtiges marketing tool, daher muss das auch so sein. An der gesponserten Bar zu jammern erfüllt denselben Zweck wie das streng getaktete Posten abstrakter Kunst – man will für facettenreich gelten. Kokst irgendjemand, ohne sich zugekokst darüber zu beklagen, dass er zu viel kokse? Das muss man schon machen, falls jemand gerade unbemerkt ein Buch über einen schreibt.

Hach, aber wir wollten uns ja gar nicht aufregen, wir wollten ja einfach nur in die Berge. Da ist alles ganz unkompliziert: Um einen herum stapelt sich allerlei Geröll aus Urzeiten, manchmal scheint die Sonne und manchmal schneit es, um die Ecke kann man überteuerten Käse kaufen, und das war’s auch schon. Die Berge haben es gar nicht nötig, auf irgendwelchen Metaebenen über sich nachzudenken, sie sind auch so groß genug, und auf eine sehr ursprüngliche Art darf man sich mickrig fühlen, wenn man vor ihnen steht. Noch dazu oben im Engadin, wo es uns für zwei Wochen hinverschlagen hatte, auf über 1800 Metern und der Sonne, dem Leben und dem Tod sehr nahe.

Um das jetzt alles mal zusammenzufassen: Wir waren für 14 Tage dort, zwischen Grandhotels und Kuhwiesen, kurz unterhalb der Baumgrenze und weit über einem, für Wesen wie uns, adäquaten Lebensraum. Haben Tee getrunken und auf die Sonne gewartet, waren spazieren, sind im Neuschnee versunken und auf gruseligen Ausstellungseröffnungen und Skilehrer-Parties gegangen (wir haben Berlin sehr vermisst) und irgendwann, wie könnte es anders sein, verrückt geworden. Jetzt sind wir zurück und natürlich sehr froh – über die Tatsache, zurück zu sein. Ebenso wie über unser soeben zu Ende gegangenes Refugium in den Schweizer Bergen.

Weil man uns so lieb fragte, haben wir sogar ein paar Fotos von uns mitgebracht. „Style Crushes“ oder so würden wir damit werden, hieß es. Das sind wir wohl jetzt hiermit.

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SHOP THEIR LOOKS

Grüße an die Hater.

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📸 @samuelsmelty #2xsüssgott

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💸👊🏼🏔 @nico_wilhelm #stmoritz

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Iljitsch, der Akrobat hinter dem Hochstapler 📷 @estebanstudio #warmup #friday #stretching #kerze #candle #tendrinkslater

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Ich bei meinem Teilzeitjob #swing #laundry #analog #11to3 #hustle #versace #homewares @estebanstudio

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#wasistdiese 📷: @r_bsky

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