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Weekly Updates – mit einem Mann an der Spitze der britischen VOGUE, dem Jil Sander Duo, Guccis Diversity-Kampagne und zwei Starfotografen in Deutschland

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Die britische VOGUE bekommt einen neuen Chefredakteur
Alexandra Schulman verlässt im Juni 2017 ihren Posten als Chefredakteurin der britischen Vogue, den sie ganze 25 Jahr innehatte. Bei solch großen Personaländerungen spekulieren die Medien meist schon Wochen vor einer Neuernennung und auch der Name, der nun tatsächlich ab Sommer im Impressum des englischen Modemagazins stehen wird, ist das ein oder andere Mal gefallen: Es handelt sich um Edward Enninful, den Kreativ- und Modedirektoren des W Magazines. Er ist eine der einflussreichsten Persönlichkeiten in der Modeindustrie, prägt mit seinen Arbeiten den Zeitgeist und setzt Trends. In der 100 jährigen Geschichte des britischen Magazins wird er der erste Mann in dieser Position sein. Als Teil einer größeren geschlechtsaufhebenden Bewegung, die sich zur Zeit in der Branche durch wandelnde Modelbesetzungen, Geschäftsmodelle und das Aufbrechen der Zyklen, wird Enninful eine spannende Zeit einläuten. Neben der Geschlechterfrage ist es zusätzlich spannend einen dunkelhäutigen Mann an der Spitze der redaktionellen Leitung zu sehen, VOGUE setzt mit der Ernennung ein Statement für Diversität und gegen Gender-Vorurteile.

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Christian Dior and Granville: The source of the legend’
Christian Dior war einer der größten Couturiers, die es je gab, er hat gleich nach dem Krieg mit seinem New Look provoziert und eine ganze Rige von Designern geprägt. Mittlerweile ist er Legende und in die Geschichte eingegangen, sein Erbe jedoch wird immer wieder aufgegriffen, rezitiert und weitergeführt. Anlässlich des 70. Geburtstages des Hauses und gleichzeitigem 20. Existenzjahres des Musée Christian Dior, seinem Elternhaus in der Normandie, hat diese Woche die Ausstellung ‚Christian Dior and Granville: The source oft he legend’ eröffnet. Die Ausstellung legt den Fokus auf eine Periode in seinem Leben, die ihn und seine Arbeit weitgehend prägten. Die Ausstellung und das Haus können noch bis September 2017 besichtigt werden.

Jil Sander ernennt neue Kreativdirektoren
Auch in Deutschland gibt es Personaländerungen in der Modebranche, das international gefeierte Label Jil Sander ersetzt den Weggang von Rudolfo Paglialunga nach drei Jahren als Kreativdirektor des Hauses durch ein Duo: Das Ehepaar Lucie und Luke Meier wird seine Nachfolge antreten und so auf einen aktuellen Trend in der Industrie aufspringen. Es geht um High-Fashion-Streetwear. Die Schweizerin Lucie kommt aus einem Haute Couture Hintergrund, sie erlernte ihr Handwerk bei Labels wie Louis Vuitton, Balenciaga und Dior. Sie arbeitete unter und mit einigen der weltweit bekanntesten Designern, wie Marc Jacobs, Nicolas Ghesquière und Raf Simons. Der Kanadier Luke dagegen kommt aus einem ganz anderem Segment, der Streetwear-Mode. Insgesamt acht Jahre lang arbeitete er für Supreme, außerdem gründete er das Menswearlabel OAMC. Das Paar wird seine Talente zu einer, für Jil Sander, ganz neuen Bildsprache zusammenlegen und im September 2017 in Mailand die erste gemeinsame Kollektion vorstellen.

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Jeff Koons für Louis Vuitton
Dass Louis Vuitton einen großen Bezug zur Kunst hat, wurde uns nach zahlreichen Künstlerkooperationen, wie mit Cindy Sherman und Takashi Murakami, aber spätestens seit der Eröffnung des Kunst- und Modemuseums, der Louis Vuitton Foundation in Paris, bewusst. Das Traditionshaus geht nun aber noch eine Stufe weiter und verpflichtet einen der berühmtesten und einflussreichsten modernen Künstler für die neue Accessoire- und Taschenkollektion. Jeff Koons, der besonders durch seine überdimensionalen Luftballon-Installationen im Kopf geblieben ist, gibt die Werke seiner ‚Gazing Ball’ Ausstellung an das französische Modehaus frei. ‚Gazing Ball’ ist eine Reproduktion der Werke von alten Meistern, wie da Vinci, Titian, Rubens, Fragonard oder Van Gogh. Auch das ikonische Monogramm wird von ‚LV’ in ‚JK’ umgewandelt. Die Kollektion wird ab 28. April erhältich sein.

Gucci Pre-Fall Kampagne
Auf vielen Laufstegen laufen in erster Linie weiße Models und auch bei Kampagnen sieht das nicht anders aus. Auch wenn der Trend des Genderwashings in der Mode angekommen ist, dann ist die Diversität immer noch nicht wiederhergestellt. Einzelne Labels versuchen dem etwas entgegenzusetzen, indem sie Non-Norm Models beschäftigen: Für die neue Pre-Fall Kampagne von Gucci wurden ausschließlich dunkelhäutige Models engagiert. Die Strecke, die von Glen Luchford geschossen wurde ist von den 60ern inspiriert und erinnert uns ein wenig an die Bildsprache von Baz Luhrmanns ‚The Get Down’. Insgesamt werden 49 Gesichter in der Kampagne gezeigt, von denen genau vier tatsächlich Models sind, der Rest der Protagonisten sind professionelle Tänzer.

Peter Lindbergh und Jürgen Teller stellen aus
Im April ziehen gleich zwei Ausstellungen von und über Starfotografen in Deutschland ein. Die Kunsthalle München stellt seit dieser Woche die Werke Peter Lindberghs unter dem Titel ‚From Fashion to Reaility’ vor. Seine Bilder zeigen Nadja Auermann, Kate Moss, Linda Evangelista, Cindy Crawford und Naomi Campbell. Der Fotograf aus Lissa ist dafür bekannt schwarz-weiße Momentaufnahmen von echten Menschen zu schießen und deren Charakterzüge in den Vordergrund zu stellen. So löste er in den 90ern eine geschönte Modefotografie, in der es in erster Linie um die Kleidung ging, mit dem Topmodel-Phänomen ab. Peter Lindbergh revolutionierte die Modebranche, indem er spontane, realistische und natürliche Momente in Hochglanzmagazine brachte. Er ist neben Bruce Weber, Mario Testino und Jürgen Teller einer der einflussreichsten internationalen Modefotografen der letzten Jahrzehnte. In der Ausstellung, die bis zum 27. August laufen wird, finden wir zusätzlich Portraits von Persönlichkeiten, wie Pina Bauch, Jean Paul Gaultier oder Eddie Redmayne. Die Multimedia Schau mit insgesamt 220 Objekten wir außerdem Storyboards, Requisiten, Polaroids, Kontakt-Aufnahmen, eine Dunkelkammer und Video-Installationen beinhalten.

Ein ähnliches Konzept wird sich uns nächste Woche in Berlin im Martin-Gropius-Bau offenbaren: Der deutsche Fotograf Jürgen Teller wird 250 seiner Werke vom 20. April bis zum dritten Juni 2017 in der Hauptstadt ausstellen. Angefangen als Musik-, Zeitgeist- und Modefotograf in London wurde er in den 90ern durch seinen dokumentarischen Fotostil und seiner Bildreihe zur Release-Tour der amerikanischen Band Nirvana und ihres Albums ‚Nevermind’ bekannt. Er ist einer der einzigen Fotografen, die Kurt Cobain live erleben konnten und Bilder von ihm schießen durften. Seine Fotografie ist ein Mix aus Kunst und kommerzieller Arbeitsweise. Mit seinem Ansatz nicht zu retuschieren, analog zu fotografieren, zu überbelichten und einen direkten Bezug zur Person im Bild zu zeigen, begründete er in den 90ern eine ganz neue Bildsprache, die bis heute gefragt, innovativ und modern ist. Und um euch ein wenig anzufixen, gibt es hier direkt unser Wochenend-Watch, die BBC Doku über den Fotografen:

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