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Die Woche der Cruise Collections – Mit Louis Vuitton, Chanel und Dior

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Pre-, After-, Resort-, Cruise-, Capsule-, Fall / Winter-, Spring / Summer-, Ready-to-Wear-, Haute Couture-, See-now-Buy-now-Kollektionen. Gibt es noch andere Leute außer uns, die diese Auflistung zumindest ein wenig verwirrend finden und sechs Mal im Jahr seine online Suchmaschine und Retter in Alltagsnöten anschmeißt um Definitionen und Antworten zu finden? Man könnte denken, wir seien Profis auf dem Gebiet, doch eigentlich müssten auch wir uns ein Mode-Zyklus Vokabelbuch anschaffen und nach der Arbeit fleißig lernen. Zur Zeit geht es um die Zwischenkollektionen, die Cruise- oder Ressort-Kollektionen genannt werden und zwischen der Sommer- und Winterlinie erscheinen. Oft geht’s dafür ins Ausland, es werden kulturelle Inspirationen verwertet oder Anspielungen gemacht und der Reisegedanke wird weiter voran getragen. Sie sind jetzt auf den Laufstegen und kommen im Winter in die Läden und statten so dann auch Reiselustige aus, die vor Blitzeis, Schnee, der Farbe Grau und jeder Menge Regen fliehen. Wir haben uns drei der wichtigsten und unserer liebsten Cruise Collections angeschaut und bei Dior den Western-Charme, bei Louis Vuitton japanische Krieger und bei Chanel eine Neuinterpretation der Antike entdeckt.

Dior

Die erste Cruise Collection von Maria Grazia Chiuri für Dior schließt sich nahtlos an vorherige Kollektionen an: Im Mittelpunkt steht der Glaube und die Gewissheit, dass Frauen den gleichen Anteil an Platz in der Gesellschaft verdient haben wie Männer, dass ihre Stärke gefeiert werden sollte und ihre Weiblichkeit Aufmerksamkeit verdient hat. Nach Feminismus-Shirts und dem Griff nach den Sternen beruht die aktuelle Kollektion nun auf dem Fund der Lascaux-Höhle in 1940, deren Tiefen Stein-Malereien offenbarten. Auch die Venus von Willendorf scheint eine Inspiration für die Kollektion zu sein: Es geht um eine wilde, natürliche und ungebändigte Weiblichkeit, eine Magie der Erde und Intuition der Frauen. Gleichzeitig greift Chiuri auf das Erbe von Christian Dior zurück, der sich 1951 ebenfalls an der Entdeckung orientierte und so seine Ovale Linie entwarf. In den Berglandschaften von Los Angeles wurde so die Silhouette des New Looks geehrt, die Malereien als Prints aufgenommen, raue Materialien verwendet, die an Decken und Plaids erinnern. Handarbeit, Verzierungen in Erd-, Blau- und Rottönen, die Lansdschaft als auch mystische Symbole fließen in die Entwürfe ein. Alt und Neu verbindet sich in einer Kollektion, die an amerikanische Klassiker erinnern lässt und ihnen ein neues Frauenbild verspricht.

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Louis Vuitton

Für Louis Vuitton und Nicolas Ghesquière ging es diese Woche darum Natur und Architektur, Tradition und Modernität zusammenzubringen. Dafür suchte sich das französische Label die Location des Miho Museums in Kyoto aus, das 1997 vom Architekten I.M.Pei designet wurde und seitdem mit seinen lichtdurchfluteten Räumen, Deckenstreben und dem Ausblick Besucher anzieht. Dies Cruise Collection 2018 sollte die französische Art zu leben nach Japan transportieren und brachte Power-Silhouetten, Prints, Transparenz und Leder auf den Laufsteg. Die futuristische Linie beruft sich mit Samurai-Zitaten, zeremoniellen Gewändern und Obi Gürteln auf die japanische Kultur. Gurte, Helme und Make-up erinnern an Kill Bills’ Martial Arts und japanische Krieger. Zusammen mit fließenden Stoffen, Anzugskombinationen und spitzen Leder-Stiefelletten wird der Look urban und bildet die Verkörperung des Themas. Natur, Zivilisation, Urzustand, Gesellschaft, Tradition, Erneuerung und Fortschritt.

Chanel

Die Chanel Cruise Collection 2017/18 „La Modernité de l’antique“ steht ganz im Zeichen einer Re-Renaissance der griechischen Antike als Ursprung von moderner Kultur und zeitlosen Schönheitsidealen. Es geht um die Jugend in der Welt, all ihrer Stärke und Unberechenbarkeit. In der Galerie Courbe, oben im Grande Palais in Paris sahen wir eine Mischung aus drapierten Empire-Silhouetten, die an griechische Göttinen erinnern, eleganten und fließenden Linien, die sich mit dem Signature-Stoff des Luxushauses, mit Tweed verbanden. Zwischen Sandsteinsäulen und auf einem kiesigen Laufsteg hab es Farbnuancen von Erdtönen bis hin zu kräftigen Blau und Orange an seidenen Roben, Röcken aus Leinen und Plattform-High-Heels, die an Gladiatoren-Sandalen erinnern, aber genauso ihren Platz in der Berliner Club-Szene finden könnten. Mit Golden- und Vasenmotiven auf gesteppten Taschen und goldenem Schmuck wurde das Thema weiter vertieft. In dieser Kollektion geht es nicht um die Nachstellung der Antike, sondern darum ihrer Ästhetik einen Platz im Jetzt einzuräumen und das idealisierte Griechenland aus der Vorstellung Karl Lagerfelds zu entwerfen.

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