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Dior, Feminismus und Nanas

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Maria Grazia Chiuri entwarf 2016 das ‚We Should All Be Feminists’-Bestseller-Shirt, das zum Instagram-Hype, meistgekauften Premium-Basic, hochdiskutierten Smalltalk und Aushängeschild der Marke Dior wurde. Ein Jahr später setzt sie ein weiteres Statement und eröffnet ihre Spring / Summer 2018 Show in Paris mit einem weiteren Logoshirt. Auf der Front eines Gaultier-esquen Marineshirts mit Querstreifen, prangt ‚Why Have There Been No Great Women Artists?’ Es geht hier keinesfalls darum infrage zu stellen, dass Frauen, wie Frida Kahlo, Georgia O’Keefe oder Marina Abramoviç, großartige Künstlerinnen waren und sind – es geht darum auf die Überbleibsel eines Patriarchats in kreativen Kreisen hinzuweisen. Für Maria Grazia Chiuri, als erste Chefdesigner der Womenswear-Linie von Dior, ist dies selbst immer wieder Thema. Sie wird nach ihrer weiblichen Rolle gefragt, danach, wie es sei, dieses Traditionshaus als Frau zu führen, wie es sich anfühle die Erste zu sein. Den Titel von Linda Nochlins 1971 erschienenen Essays ‚Why Have There Been No Great Women Artists?’ für die Kollektion zu verwenden, ihn im Musée Rodin zu präsentieren und mit den Werken der französisch-schweizerischen Malerin und Bildhauerin Niki de Saint Phalle in Verbindung zu setzen, kommt also sehr natürlich für die Designerin.

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Für die aktuelle Kollektion ließ sich Chiuri von den Tiefen der Dior’schen Archive inspirieren, besonders von den Entwürfen der 60er und 70er Jahre, in denen Marc Bohan die Kreativdirektion des Labels übernahm. Neben Querstreifen, Polka Dots, kniehohen Stiefeln, Miniröcken und dem Schachbrettmuster fand sie seine persönliche Bindung zu Niki de Saint Phalle und benutzte diese für ihre Moodboards. Die feministische Künstlerin und ihre Werke bilden den roten Faden der Spring / Summer 2018 Kollektion. Wir sehen abstrakte Herzen, Sprüche, Bäume und Ungeheuer in bunten Reinfarben, die klar von Saint Phalle übernommen wurden. Ihre Kunstwerke wirkten für Saint Phalle als Therapie, als Befreiung von einer männervorherrschenden und –dominierenden Welt, als Entkommen von einem väterlichen Missbrauch und als nötige Erlösung. Besonders die Nanas, die ab 1965 entstanden, konnten diese Zwecke erfüllen: Die rundlich, kurvigen Silhouetten ihrer Plastiken kommunizierten eine freie Weiblichkeit, feminine Tugenden und Kräfte. Die Frau und ihr Körper wurden als Urmutter, als Göttin gefeiert. Diese Form von Empowerment finden wir auch in der aktuellen Spring / Summer 2018 Christian Dior Kollektion und der Einstellung Maria Grazia Chiuris wieder. Es gibt eben doch großartige Künstlerinnen!

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