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Netflix & Think – 6 Dokumentationen

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Manchmal will man beim Fernsehschauen den Kopf ausstellen und einfach nur genießen, manchmal aber genau das Gegenteil. Ich nutze Netflix oder Filme super gerne, um Ideen, Denkanstöße oder Inspiration zu bekommen und bin deshalb großer Fan von Dokumentationen. Vor allem von biographischen Dokumentationen oder zumindest Lebensentwürfen von spannenden Persönlichkeiten. Was sind ihre Antriebe? Mit was wollen sie die Welt verbessern? An was glauben sie und woran scheitern sie? Diese Kämpfe beruhigen natürlich immer auch ein wenig das eigene Gewissen, dass es ganz natürlich ist als reflektierte, kreative Person manchmal zu zweifeln, mit sich zu hadern, für Dinge zu brennen und manchmal grenzwertig zum Verrücktwerden entlang zu balancieren.

Hier also meine Favouriten der letzten Wochen. Ich freue mich auf eure Tipps zu spannenden Dokumentationen und Filmen.

 

 

  1. Jim and Andy
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Selbst wenn ich früher nicht Fan des überdrehten Jim Carrey Humors war, hat mich diese Doku “Jim and Andy”  tief berührt und Jim Carrey für mich das Label Genie verdient. Genie mit der ordentlichen Portion Wahnsinn. 1998 dreht Jim Carrey den Film „Der Mondmann“ und spielt den verstorbenen Comedian Andy Kaufman. Carrey der sich der Figur Kaufmanns persönlich nahe fühlt, geht in seiner Verkörperung vor  und hinter der Kamera auf. Die 20 Jahre alten, nun erstmals veröffentlichten Archiv Aufnahmen zeigen wie Jim Carrey den Regisseur und das Team am Set terrorisiert und mit dem schwierigen, fast wahnsinnigen Humor Andy Kaufmanns an ihre Grenzen bringt. Mit Kommentaren des heute weise wirkenden, bärtigen Jim Carrey entsteht ein spannendes Portrait des Schauspielers und seines Umgangs mit dem Erfolg, Comedy und der Öffentlichkeit.

 

 

2. Franca: Chaos und Creation

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Francesco Carrozzini, Sohn der legendären Chefredakteurin der italienischen Vogue, schafft mit “Franca” ein intimes Portrait seiner Mutter.  Franca Sozzani provozierte bis zu ihrem Tod 2016 mit ihren kontroversen, gesellschaftskritischen und politischen Modestrecken und machte die Vogue Italia damit zu einer modischen Institution. In ihren 25 Jahren Wirkung gab sie damit in Italien Mode wieder eine gesellschaftliche Bedeutung und Stimme. Als erste brachte sie eine “Black Issue” auf den Markt, eine Vogue mit ausschließlich schwarzen Models oder stellte in ihrer“Plastic Surgery Issue” den Schönheitswahn in Frage. Mit Interviews von Karl Lagerfeld, Bruce Weber oder Baz Luhrmann lernen wir die Künstlerin Franca und ihren kreativen Prozess, sowie ihre Verletzlichkeit kennen.

 

 

3. The Sunshine Makers

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„The Sunshine Makers“  erzählt die Geschichte von Nicholas Sand and Tim Scully, die im Amerika der 1960er Jahre den Weltfrieden mit LSD herbeiführen wollten. Obwohl ansonsten grundverschiedene Charaktere (Sand ist Verfechter freier Liebe und zelebriert mit Hingabe dem Nackt-Yoga; Scully ist ein wissenschaftliches Genie mit autistischen Zügen) sind sie sich in diesem Punkt doch einig. Die Untergrund-Chemiker verwalteten ein ganzes Labor, in dem sie selbst Acid herstellten. Das Duo führte ein Leben, wie man es sonst nur aus „Breaking Bad“ kennt: Während sie die Drogen unters Volk brachten, war die Polizei stets dicht auf ihren Fersen. In der Dokumentation sprechen die Aktivisten selbst, so wie Zeitzeugen über ihren Antrieb, ihre veränderten Weltansichten durch LSD und wieso dies der Politik gefährlich wurde.

 

 

4. Beltracchi – Die Kunst der Fälschung 

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“Beltracchi – Die Kunst der Fälschung” erzählt als höchst amüsanter Dokumentarfilm von dem größten europäischen Kunstfälscher-Skandal der Nachkriegsgeschichte. Er zeigt den Maler Wolfgang Beltracchi der über Jahre hinweg verloren geglaubte oder nie existente Gemälde von großen Künstlerin wie Max ErnstMax Pechstein oder Fernand Léger  fälschte bzw. erfand und gemeinsam mit seiner Frau verkaufte. Über die Zeit machte das Paar damit einen geschätzten Gewinn von 20 bis 50 Millionen Euro. Beltracchi nutze die Schwächen eines reichen Kunstmarktes aus, der sich nach neuen Kunstwerken sehnt. Ein folgenschwerer Fehler lässt den Maler auffliegen und verschafft ihm eine 6 jährige Gefängnisstrafe. Das Paar zeigt in Gesprächen kaum Reue und die Rückblenden zeigen auch wieso: Die beiden Althippies hatten es sich in ihren erfolgreichen Geschäftsjahren à la Bonnie & Clyde gut gehen lassen. Genau deshalb und weil der Hauptdarsteller, aka Fälscher weder sich selbst und sein Talent, noch seine eigene Tat und die Kunstszene ernst nimmt, macht diese Dokumentation unheimlich viel Spaß.

 

 

5. Joan Didion: Die Mitte wird nicht halten

Joan Didion, author of "Play It as It Lays", and "Slouching Towards Bethlehem", is pictured here on May 1, 1977.(AP Photo)

Vor allem für mich, die selbst versucht, in Texten Stellung zu beziehen oder sich als Charakter auszudrücken ist Joan Didion ein großes Vorbild. Didion prägte und berührte mit ihren Arbeiten und Essays das Amerika der 60er- und 70er-Jahre und den „Neuen Journalismus“ in den USA. In den politisch und gesellschaftlich turbulenten Jahrzehnten versuchte Joan Didion vor allem denjenigen eine Stimme zu geben, die von der Gesellschaft verstoßen und diskriminiert wurden. Sie arbeitete Themen auf, an die sich sonst in ihrer Zeit kaum ein anderer wagte und war damit eine Pionierin ihrer Zeit. Von Massenmördern, Politik bis hin zu sehr persönlichen Themen, wie Trauer und Tod, zeigte Didion in ihren Themen Charakter, Mut und Selbstreflektion.

 

 

6. GAGA: Five Foot Two

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Von Außen sieht man den Glamour, die perfekte Show, das perfekte Outfit. Aber was steckt dahinter? Welche Botschaft? Welche Philosophie? Wieviel Arbeit? Lady Gaga lässt in ihrer Dokumentation ein Stück der Maske fallen und lässt den Regisseur Chris Moukarbel und damit die Zuschauer nah dran: an den Druck, an den Stress, an die eigenen Ansprüche, an den Schmerz. Im Dokumentarfilm „Gaga: Five Foot Two“ sehen wir Gaga bei ihrer Arbeit am 2016er-Album „Joanne“, welches einer verstorbenen Verwandten gilt. Die Perspektiven der Dokumentation auf den Menschen und die Kunstfigur Gaga sind vielfältig: vom Besuch bei ihrer Oma und ihrer emotionalen Reaktion auf das Album, bis hin zum Halbzeitauftritt beim Superbowl.

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