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BLONDE FRAGT- LISA ANTWORTET: KANN EMPATHIE DIE WELT RETTEN

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BLONDE fragt: “Kann Empathie die Welt retten?”

LISA antwortet: „Mehr Empathie kann Teil eines Lösungsmixes sein. Wenn du einzelne Schicksale betrachtest, zum Beispiel jetzt während der Flüchtlingskrise, Menschen in die Augen blickst und siehst, dass sie am Ende genau so sind wie du, statt nur eine anonyme Masse, wird es schwieriger, Dinge zu verurteilen und beispielsweise die AfD zu wählen. Wie wichtig Offenheit und Mitgefühl sind, habe ich schon als Teenager gemerkt, als ich eine Jugendgruppe geleitet habe. Da waren schwierige Kinder und auch schwierige Eltern dabei. Sie steckten in Problemen, mit denen ich noch nie in Berührungen gekommen war: Existenzängste, Verzweiflung und Hilflosigkeit. Mit ihnen darüber zu sprechen und ihnen vielleicht sogar zu helfen hat aber alle Seiten weitergebracht. Trotzdem fällt es mir heute immer schwerer, aus meiner eigenen Blase herauszutreten – obwohl ich es, so oft es geht, versuche. Zum Beispiel indem ich mich in einer Bar mit einem Fremden unterhalte, von dem ich weiß, dass er gar nicht in mein Leben oder meine Branche passt. Oder mich politisch engagiere und als Fashion-Girl zu den Mitgliedstreffen der SPD gehe. Empathisch zu sein heißt aber auch, Schwäche zu zeigen. Wenn ich in ein Meeting gehe, hilft es manchmal zu sagen: ‚Eigentlich geht’s mir auch gerade gar nicht so gut’, oder andersrum: ‚Ich bin gerade extrem euphorisch und gut drauf, weil ich total verliebt bin.’ Sobald ich etwas über mich preisgebe, vertraut mir mein Gegenüber und denkt sich: ‚Ah, die zeigt Schwäche, dann darf ich auch Schwäche zeigen.’ Und das sorgt immer für einen Aha-Effekt und eine viel ehrlichere Kommunikation, bei der sich nicht jeder auf die Brust schlägt und sagt: ‚Ich bin aber hier der Geilste und will aus der Verhandlung mit dem meisten Budget rausgehen.’ Auch auf Insta­gram & Co. dürfen wir nicht vergessen, in den Dialog zu gehen. Ich finde, dass wir das Wort ,Social‘ bei Social Media vergessen haben. Es hat was mit Empathie zu tun, sich zu fragen: ‚Ich habe 130.000 Follower – aber wer ist das?’ Ich versuche immer, mich intensiv mit meinen Fol­lowern auseinanderzusetzen und in unseren Themen auf ihre Gedanken einzugehen. Trotzdem kann ich nicht auf jede E-Mail, jede Nachricht bei Instagram oder Facebook reagieren. Denn wenn ich all meine Wörter in Online-Kommunikation stecke, habe ich danach keine Kraft mehr, ein Te­­le­fonat mit meiner Mutter oder einem anderen wichtigen Menschen zu führen, weil mir quasi die Wörter fehlen. Ich glaube daran, dass jede mensch­liche Energie begrenzt ist, auch meine. Aber es ist trotzdem wichtig, hinzuhören, immer wieder Dialoge anzustoßen – sonst haben wir am Ende alle verloren.“

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Photography by Elena Breuer

Comments 1

  1. Danke für den tollen Beitrag. Das regt wirklich zum Nachdenken an. Statt nur zu reagieren, sollten wir öfter agieren. Bitte mehr von solchen Beiträgen.
    xx Franzi

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