Kosmos, Personal Issue

BERLIN MOOD

Processed with VSCO with p5 preset

“Wie ist denn Berlin so?” Wollen immer wieder alle von Tanja und mir wissen. Der Umzug von München ist jetzt immerhin schon drei Monate her, da lässt sich definitiv schon ein gewisses Bauchgefühl der Stadt gegenüber ausdrücken. Wir sind noch in der Kennlernphase, Berlin und ich, aber ich bin guter Hoffnung, dass wir uns gegenseitig zuhören und bereichern. Die ersten zwei Monate waren wir im Team noch sehr viel unterwegs und meine Begegnungen mit Berlin waren nur sehr oberflächlich: Zwischendurch mal ein Abend in einer Bar, ein Essen mit Freunden, ein paar Blogger Events, die sowieso immer kuschlig rosa sind. Aber um sich kennenzulernen verhält es sich bei einer Stadt genauso wie bei Menschen: Man muss dahin gehen wo es ungemütlich ist: U-Bahnhöfe, nächtliche Spätis und Dönerläden, oder Clubtoiletten zum Beispiel. Berlin ist realer. Man ist viel härter mit menschlichen Schicksalen konfrontiert. Menschen verlieren sich hier in Berlin. Manche finden wieder auf den Weg, manche Existenzen scheitern. Ohne das zu werten ist es für mich persönlich hart.

In Kombination mit der grauen November-Tristesse wird man dann doch etwas nachdenklicher und melancholischer. Aber nicht nur ich. Und was tut man, um sich in dieser Jahreszeit von der aufkommenden Winterdepression abzulenken, bzw. um auf dem Euphorie-Rausch des Sommers zu bleiben?

Man nutzt jede Gelegenheit, um weiter zu feiern und zu trinken. Konterbier nennt man sowas wohl. Der Kalender ist voller Filmpremieren, Awards und Shop-Partys. Und wir vorne mit dabei. Klar, bekommt man auf diesen Events dann auch schon mit, wie die anderen super wichtigen eingeladenen Leute so ticken.

Positiv finde ich in jedem Fall, dass kaum einer auf solchen Events sich selbst zu ernst nimmt. Die Münchner Szene-Crew ist besonders bei Neulingen immer super skeptisch und man erntet einiges an Blicken, wenn man dann mal etwas lauter ist, oder sogar Spass auf der Champagner Party hat. Naja, und ihr kennt uns…kommt ab und an dann doch mal vor, dass wir zu Dritt einen etwas auffälligeren Aufschlag haben. Da ist es super angenehm, dass hier in Berlin alle nett und cool zu dir sind, solange du authentisch und ein bisschen witzig bist. Dazu ist kein Immobilienbesitz, oder 1 Mio Youtube Kanal nötig. Obwohl das hilft. Ist klar.

Denn auch hier in Berlin schauen die Leute wo sie bleiben, wer ihnen was bringt, wen sie connecten können. Gesunden Egoismus nennt man dann so was, oder auch „Business“. Da wird sich zufällig neben den Sony-Chef gestellt, oder in das Blickfeld des angesagten Models of course. Komischerweise kommt mir das in Berlin dabei nicht vor, wie die Suche nach Prestige, sondern wie der verzweifelte Versuch immer dran zu bleiben, an dem coolsten Shit, um nicht unterzugehen, um nicht vergessen zu werden. Also auch hier in der angeblich glamourösen VIP-Szene kommt es einem vor, als ob viel mehr Ängste herrschen und weniger Leichtigkeit.

Als ob in Berlin alle viel mehr zu kämpfen haben.

Alle, ob die 60 jährige Dame morgens um 5.00 Uhr auf dem Weg zum Putzjob, der gezwungen lässige Start-Up-Drogenaddict, oder der Mitt-Vieriger Comedy-Star der seinen größten Erfolg schon überlebt hat und sich voller Selbstmitleid mit 12jährigen Youtubern vergleicht und von Häppchen zu Häppchen-Event schnorrt.

Eine schnelle Stadt in der Ideen und Menschen eine scheinbare schnellere Ablaufzeit haben. Im Zwischenmenschlichen und im Job. Die Stadt knallt dir ins Gesicht: Es kann ganz schnell alles den Bach runter gehen, der nächste Schritt kann der Abrutsch sein. Diese vorgehaltenen Schicksale und Geschichten lösen auch bei mir Ängste aus.

Plötzlich denke ich mich in solche Situationen des Scheiterns hinein: Was passiert, wenn morgen Instagram oder Blogs als Medium nicht mehr funktionieren? Wie bin ich eigentlich in Sachen Rente abgesichert? Was passiert wenn ich irgendwann sitzen gelassen werde und meine Karriere womöglich für meinen Mann und Kinder geopfert habe?

Wie gehe ich und wie gehen Berliner mit diesen omnipräsenten Ängsten um? Viele Berliner nehmen es mit Humor, oder Drogen. Vielleicht um sich die fehlende Leichtigkeit künstlich zu verschaffen. Ängste hemmen und gehemmt zu sein ist in dieser Gesellschaft das uncooleste überhaupt.

Ich nehme es mit bewusster Naivität, mit dem Glauben, dass dann doch alles gut wird, mit dem Glauben an das Gute im Menschen. Eine gesunde Spur von Realismus tut mir sicher gut. Aber zu viel Realismus und Ängste machen misstrauisch gegenüber anderen und bitter. Ich will Lebensfreude teilen, menschlich sein, anderen offen begegnen.

Dafür muss man selbstbewusst sein, im Sinne von wissen wer man ist und für was man steht. Das festigt.

Um die Verbindung zu mir selbst nicht zu verlieren, hilft es mir öfter nein zu sagen. Nein zu Einladungen und Aufforderungen, wenn ich es nicht wirklich fühle. Das Wochenenden einfach mal sau uncool zu Hause verbringen und auf die innere Stimme hören. Denn was neben all dem Erfolg und dem Zwischenmenschlichen überbleibt ist die Beziehung zu uns selbst. Was sind meine Interessen neben meinem Job und neben den Interessen meines Umfeldes. Was hat mich früher erfüllt? Sich solche Dinge bewusst machen und authentisch verfolgen tut mir gut.

Ich glaube in Berlin hilft es ab und zu bewusst andere Meinungen und Lifestyles auszublenden und auf sich zu schauen.

Und was sicher auch hilft ist manchmal aus der Tristesse zu flüchten und Lebensfreude zu tanken, ob ins Berliner Umland, ins Grüne, zur Familie oder gleich in die Wärme, so wie wir diese Woche. Einmal Licht tanken in Miami und dann in Berlin wieder strahlen.

Comments 7

  1. Wahrscheinlich geht es vielen euerer Follower so, aber ihr werdet mir jedes Mal sympathischer wenn ich euere Texte lese bzw. die Snaps sehe.
    Einfach, weil ihr so authentisch seid und den ganzen Glitzer und das Business zwar genießt, aber euch nicht komplett blenden lasst. Ich bin euch zwar noch nie im echten Leben begegnet, aber ich kann mir gut vorstellen, dass ich euch auch dann noch verdammt sympathisch finde! Macht weiter so!!

    Kat

    • Lisa Banholzer

      Liebe Kat, das ist das beste Kompliment, das du uns machen kannst! 🙂 Wir geben uns Mühe dich weiter zu entertainen! 🙂

  2. Toller und ernster Text! Es ist gut, diese Glitzer-Glamour-Welt ein wenig kritisch zu hinterfragen und sich selbst treu zu bleiben.
    Danke, dass ihr uns immer mit viel Humor und Charme an eurem Leben teilhaben lasst!
    Lasst euch nicht runterziehen vom Wintertief!

    Viele Grüße,
    Fiona

    • Lisa Banholzer

      Fiooona! Danke für deinen Kommentar. Schön, dass das wertgeschätzt wird, wenn man versucht ehrlich seine Stimmung zu teilen. Ich wünsche dir auch, dass du mit viel Power durch den Winter kommst! 🙂 Lisa

  3. Ein toller Post ! Ich bin selbst ebenfalls vor 3 Monaten nach Berlin gezogen und ich fühle einfach alles, was in diesem Text steht!

    Ganz lieber Gruß

    Sophia

  4. Ein super Beitrag und kann ich sehr nachempfinden. Berlin – eine sehr interessante Stadt aber auch hier denken die Leute in dem Business wahrscheinlich sehr ähnlich: wie du schon sagtest, mit denen connecten, die einem selber wohl auch was bringen. Aber Ihr drei braucht Euch da gar nicht zu verstecken! Ich liebe liebe liebe Eure Snaps und die Art wie ihr diese Bloggerszene rockt! Ihr macht so viele tolle Sachen und bleibt dabei so authentisch, selbstbewusst und habt das richtige Gespür! Ich bin mir sicher, Berlin erobert ihr auch noch! Viel Spaß in Miami…ich freu mich auf Eure Snaps! Liebe Grüße

  5. Ein wirklich wunderbarer Post! Ich liebe euren Blog und noch mehr eure Snaps. Ihr seid alle drei so wunderbar authentisch und nehmt all das mit einer guten Prise Humor, dass ich manchmal an einem tristen Tag einfach zu Lächeln beginne. Das Leben ist leichter, wenn man es mit Humor nimmt und nicht vergisst dass nicht alles gold ist was glänzt!

    Macht weiter so!

    Liebst,
    Any

Comments are closed.