Kosmos, Mode, Personal Issue

PERSONAL ISSUE: MBFW TALK

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Ihr kennt das: Man lernt ein neues Wort auf www.duden.de und plötzlich findet man es in jedem Artikel und in dem Werbeplakat an der Bushaltestelle wieder und fragt sich, wie man es so lange übersehen konnte?!

Priming nennt man dieses Phänomen in der Psychologie und meint damit die Beeinflussung der Verarbeitung eines Reizes dadurch, dass ein vorangegangener Reiz implizite Gedächtnisinhalte aktiviert hat. Heißt genau: weil Wissen oder Erinnerungen konkreter vorhanden sind, werden bestimmte Inhalte eher wahrgenommen.

Unsere Fashion Week Woche begann mit der ZEITmagazin Konferenz Mode & Stil, die in Zusammenarbeit mit der Vogue verschiedene Akteure der Modebranche zu Podiumsgesprächen zusammenbrachte.

Leider konnten wir nur zwei Stunden den spannenden Diskussionen zwischen Dorothee Schumacher und Christiane Arp, Justin O`Shea und Christoph Amend zuhören. Jedoch haben mich die Statements definitiv für die darauf folgende Modewoche in Berlin geprimt und bei Schauen, Kollektionen und Gesprächen andere Dinge in den Fokus treten lassen.

MODE IST EMOTION

Im Gespräch mit Dorothee Schumacher, aber auch in der Keynote von Tillmann Prüfer, Style Director des ZEITmagazins, ging es um die hohe Emotionalität, die in der Mode verankert ist. Mode ist ein Stoff zum Träumen. Mode ist etwas sehr persönliches. Wir entscheiden uns täglich, was wir tragen und ein wenig auch, wer wir damit sein wollen. Der Stoff und das Design liegen direkt auf unserer Haut und sind uns damit näher als alle anderen Konsumgüter. Sie hüllen uns ein und beeinflussen damit unsere Wahrnehmung. Mode ist damit eine Sprache, jedes Kleidungsstück ein Wort in einem Dialog mit unserem Gegenüber, zumindest dann wenn unser Gegenpart unbewusst oder bewusst die Sprache deuten kann. Und genau das ist die Stärke der Modebranche und lässt sie mit dem Argument des Ausdrucks und der Selbstverwirklichung über alle Klischees der Oberflächlichkeit hinweg argumentieren. Auch die Marken verstehen das langsam. Es geht immer weniger um die eigentlichen materiellen Produkte, sondern um das Gefühl, das ein Kleidungsstück oder eine Brand in dir auslöst, um die Geschichte und das Statement hinter dem Label. Mode ist Emotion. Leyla Piedayesh, Kopf von Lala Berlin, hat das verstanden. Statt einer Modenschau oder einer Präsentation, setzte sie während der Berliner Modewoche auf einen Imagefilm, der zu dem Live Gig von Talent Jesper Munk über die Wände des me Collectors Room flimmerte. Zu sehen waren melancholische Blicke androgyner Mädchen, Tränen, pure Haut und Haare jeden Alters, urbane Berlin Szenerien, sich berührende Hände und weniger konkrete Produkte. Alles richtig gemacht.

VERSCHWINDENDE GESCHLECHTERGRENZEN

Justin O´Shea zufolge zeichne sich mit dem Hype von Labels wie Gucci oder Prada ab, dass aktuell diejenigen Erfolge feiern, die mehr und mehr unisex arbeiten würden. Wir sind schon längst über die Area des “Boyfriend”-Looks hinaus, jetzt wo Frauen und Männerkollektionen sich immer mehr annähern und die Silhouetten und Trends sich immer öfter überschneiden.

Das bedeutet man spielt nicht mit typisch Frauen- oder Männer-Pieces und setzt diese bewusst nebeneinander, denn der bewusste Kontrast von “weiblichem” oder “männlichem” würde eine Abgrenzung bedeuten. Genau diese soll aufgelöst werden. Die Geschlechtergrenzen verschwimmen und die Kollektionen sind sowohl von Männern als auch von Frauen tragbar und die einzelnen Teile eben nicht einem Gender zuzuordnen.

Auch bei den in Berlin gezeigten Kollektionen ist das zu sehen. Esther Perbandt zum Beispiel entwirft schon lange Unisex Kollektionen und sagt selbst “Ich lebe die Auflösung zwischen dem Männlichen und Weiblichen.”.  Ein Interview mit der Künstlerin zu diesem Thema findet ihr hier.

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Vladimir Karaleev zeigte bei seiner Präsentation im Collectors Room skulpturale, sehr konstruierte Designs, die auch sehr unisex wirkten.

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Xavi Reyes feierte als Newcomer Premiere bei der ElleXMercedes Show und kleidete seine Männer in transparenten Kreationen mit wippenden Volants und Blumenapplikationen sowie Hosenröcken.

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ÜBERSAISONALE KOLLEKTIONEN

Die sechste ZEITmagazin Konferenz Mode & Stil widmete sich mit dem aktuellen Thema »Fashion Reloaded« dem Kern der Mode – der Kreativität und wie diese durch Zeit- und Schaffensdruck der Branche leidet. Nicht umsonst verließen letztes Jahr große Designtalente Brands, wie Raf Simons Dior, aus Angst ihre Kreativität und Muße unter solchen Umständen zu verlieren. Ob aus Trotz oder dem Trend heraus, zeigten viele Designer Kollektionen, die nicht unbedingt Winter oder Sommer zuzuordnen waren. Die Teile schienen so kombinierbar, dass das Seiden-Sommerkleid unter dem Teddymantel auch im Dezember und der kurzärmlige Strickpollover im Sommer am Lagerfeuer funktionieren. Bedingt ist diese Tendenz zu übersaisonalen Kollektionen sicher auch durch die Globalisierung. Wer ständig durch Zeit- und damit Klimazonen reist verliert das Gefühl und den Bedarf an die Trennung von Winter und Sommer. So zeigten unter anderem Xavi Reyes, Perret Schaad und Rene Storck nicht typische Herbst/Winter Looks. Viel eher sind die meisten Teile Layering-Pieces, die über- und untereinander miteinander kombinierbar sind.

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Comments 3

  1. Sissi

    Bin sehr gegeistert von dem post! Vielen Danke

  2. Sissi

    *begeistert

  3. Toller Post.

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