Kosmos, Lifestyle

BLOGGER BASHING IS BACK

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Immer wieder haben wir Gespräche mit Redakteuren und auch PR-Leuten in denen wir gemeinsam auf das Ergebnis kommen, dass Blogs und traditionelle Mode-Medien, ob Online oder Print, ganz wunderbar nebeneinander oder sogar miteinander existieren können. Bestes Beispiel sind auch unsere Kooperationen mit Magazinen wie InStyle, Grazia oder Material Girl. Natürlich gibt es immer wieder bei Events Redakteure, die die Blogger Crowd abwertend begutachten oder zumindest kritisch beäugen. Wenn ich mich mit Besagten dann aber unterhalte, über das Business, Kollektionen oder Privates, sind viele oft überrascht, wie ähnlich wir uns doch alle sind und auch eben unser Job. Und: Ja, dass ich auch etwas anderes kann als Selfies machen oder mich selbst darstellen.

Ich dachte wir wären über den kritischen Punkt dieses Konfliktes schon längst hinweg. Im Jahr 2016, in dem die Streetstyle-Rubrik scheinbar die wichtigste in jedem Magazin und meist geklickte Online ist. Man inspiriert und schätzt sich gegenseitig, featured und verlinkt sich und zieht an einem Strang.

Jetzt hat die amerikanische Vogue im Zusammenhang der Mailänder Fashion Week allerdings eine mega Blogger-Bashing-Bombe losgelassen, die kommentiert werden muss. Hier ein paar Auszüge:

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via Fashionista

So gleich reagierten amerikanische Blogger wie Susie Bubbles und Bryanboy auf Twitter und Instagram und auch Jessie von Journelles hat einen sehr treffenden Beitrag zu dem Thema verfasst. Und auch wir wollen ein paar Statements dazu abgeben.

Es gibt wohl mehrere Kritikpunkte gegen die man hier sprechen kann und muss.

Vorwurf 1: Der Streetstyle-Zirkus ist lächerlich 

Tatsächlich ist das System des Streetstyle mit der Macht der Fotografen vor der Show und dem Anbiedern der Gäste oder Möchtegern-Gäste kritisch zu betrachten. Wer hier die Macht hat, wer entscheidet wer abgelichtet wird, sind spannende Fragen. Aber das Recht fotografiert werden zu wollen, hat jeder. Wie können, diejenigen die die Mode machen und genau von dieser Zielgruppe der Modefans leben, diese kritisieren? Streetstyle funktioniert und ist ein eigenes Business, es hat aber auch den Modemarkt geöffnet und den Weg zur Modeikone leichter gemacht. Im Prinzip kann jedes Mädchen, was zur rechten Zeit, am rechten Ort ist und im richtigen Style gedresst ist ein Magazin Feature bekommen, jeder Kerl übrigens auch. Hat sie es weniger verdient, weil sie nicht zur Show eingeladen ist, sondern nur darauf spekuliert hat? Ich glaube nein. Der Beweis, dass die Vogue hier inkonsequent kommuniziert ist alleine, dass online und im Print die meisten Bilder aus dem Streetstyle kommen und hier auch die Magazine profitieren.

Vorwurf 2: Streetstyle ist nur noch Promotion

Automatisch sorgt die Beliebtheit und die Nachfrage zu einem größeren Angebot an Looks, öfteren Outfitwechseln und immer mehr Brands, die verstanden haben, dass es Sinn macht Bloggern Outfits zu schenken oder zu leihen, damit sie in diesen fotografiert und abgedruckt werden. Trotzdem entscheidet jeder Blogger immer noch individuell über seine Looks und keiner lässt sich einen unauthentischen Style wie eine Schaufensterpuppe überziehen. Bei der Menge an Shows und Events ist es klug und sinnvoll für jeden nicht alles besitzen zu müssen #shareconomie.

Des Weiteren sind auch die Redakteure teilweise ausgestattet und werden von den Marken umsorgt in der Hoffnung auf redaktionelle Erwähnung. Wer einmal in der Moderedaktion eines Magazins gearbeitet hat weiß, dass Blogger authentischer und freier über ihren Content und die beteiligten Marken verfügen kann, als Verlagsveröffentlichungen, die oft Anzeigenkunden auch in redaktionellen Texten oder Strecken gerecht werden müssen und hier in Werbe-Zugzwang stehen.

Vorwurf 3: Aktuelle Blogger sind keine richtigen Blogger mehr

Tatsächlich muss man mit den Begrifflichkeiten Blogger und Influencer vorsichtig umgehen. Im jetztigen Sprachgebrauch werden die Begriffe plötzlich synonym verwendet. Formal gilt, ein Blogger hat einen Blog, auf dem er Content produziert, im besten Fall eigene Texte verfasst, eine eigene Meinung abbildet. Ein Influencer gilt dagegen als Jemand der, in welcher Form auch immer, beeinflusst, zum Beispiel alleine durch inspirierende Bilder auf Instagram, spannende Stories auf Snapchat oder eben seine Style-Veröffentlichungen in Magazinen. Das die Vogue-Redakteure hier alle über einen Kamm scheren ist nicht fair. So wie jedes Print Magazin seine ganz eigenen Qualitätsstandards und redaktionellen Linien hat, so hat auch jeder Influencer oder Blogger seine ganz eigenen Ansprüche und Talente. Und jede davon hat seine Berechtigung im demokratischen Staat der Mode. Eher muss man sich fragen, wieso immer oberflächlicher Content von den Lesern bevorzugt wird? Wieso sind hier nur noch visuelle Reize gefragt? Auch wir finden das schade. Trotzdem sind wir in der Mode und hier muss keiner seine politische Rolle übertreiben, denn auch in einer Vogue ist nicht viel darüber zu lesen, “what else is going on in the world”. Aber einen politischen Informationsanspruch haben wir auch nicht an die Vogue oder Mode-Blogs, denn dafür gibt es ja den Spiegel oder politische und gesellschaftliche Blogs.

Wenn Sally Singer als Vogue Creative Digital Director also fast ängstlich bittend sagt: “Please stop. Find another business!”, fragt man sich, ob sie das Geschäft überhaupt verstanden hat, oder ob sie vielleicht im falschen Business ist. Denn die erfolgreichen Blogger sind mit eigenen Labels,  enormen Reichweiten, Shops, Agenturen und großen Kampagnen 2016 längst professionelle Businessleute die ihre Zielgruppe und ihre Monetarisierungssysteme gefunden haben. Was leider vielen Magazinen abgeht.

Ich sitze übrigens gerade im Flieger auf dem Weg nach Paris, für die Fashion Week und den “Streetstyle Zirkus” und bin stolz darauf ein Teil davon zu sein.

Pics via elle.com & Fashionista

Comments 10

  1. Super geschrieben Lisa und den den Nagel auf den Kopf getroffen! Ich wünsche dir ganz viel Spaß in Paris und bitte lass dich knipsen und lande in der Vogue <3

  2. Wow! Ein unglaublich toller Beitrag. Ich kann dich in allen Punkten vollkommen verstehen und kann einfach nicht nachvollziehen, weshalb gerade die Amerikanische Vogue auf einmal solche Geschütze auffährt. Einfach unverständlich.

  3. Ich selbst bin ja nur ein kleiner Blogger-Fisch, aber fühlt mich auch vor den Kopf gestoßen von den Aussagen. Dass die dann ausgerechnet von der Vogue kommen, die viele Modebegeisterte immer noch gerne lesen (mich eingeschlossen). Ich frage mich, ob diese Aussagen einfach dem Druck entstammen, die die Magazin-Redakteure durch erfolgreiche Blogger oder Influencer verspüren. Als würden diese den ersteren den Rang ablaufen und die Ressourcen stehlen. Irgendwie schwingt da ziemlich viel Neid mit. Und das finde ich von solch einflussreichen Frauen, die für ein renommiertes Magazin arbeiten, echt schade. Weil sie es nicht nötig haben. Schließlich profitieren auch sie von den Styles und Fotos der Blogger, die sie in der Vogue stolz präsentieren! Und von dem Sponsoring und der Masse an Werbung, die man in der Zeitschrift findet, will ich hier gar nicht mal anfangen….

    LG Biene
    http://lettersandbeads.de

  4. Martina

    Liebe Lisa,
    eins vorneweg, Du, Tanja und Lena, der von euch produzierte Content, begeistert mich immer wieder. Besonders überzeugt mich, dass ihr eueren Radius auch auf Kunst und Kultur ausdehnt und mehr als nur ganz klassische Modefotos zu finden sind. Und euere Art, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen, aber sehr ernsthaft und ambitioniert zu arbeiten, mag ich sehr.
    Grundsätzlich bringen die Zitate aus der US-Vogue mein Blut zum Kochen. Diese leichte Arroganz, immerhin arbeiten sie ja für DIE Vogue, erstickt mir fast den Atem. Mode ist ein stückweit sicherlich auch Zirkus, den gerade Blogger aber zugänglich für “Normalsterbliche” machen und zwar dadurch, dass Outfits nahbarer werden. Die Vogue adressiert eben Hochglanz-Modezirkus und hat sicherlich ihre Berechtigung. Als Blogger die Vogue zu kritieren ist deutlich anstregender, wobei die Vogue dann und wann auch nur noch wegen ihres Renommees gekauft wird. Aber gegenseitiger Respekt schadet keinem. Ihr zeigt die Kraft der Mode, zeigt wie ihr Outfits zusammenstellt, macht den Trend-Erklärbär.
    Im Grunde sind die Streetsstylefotos oder Instagram-Accounts eine analoge Variante von “From Runway to Real Life”, ein Format, das net-a-porter bedient. Und gerade ihr Blogger bringt euere eigene Kreativität und Individualität mit ein. Dass ihr, so wie jede Redakteurin, etc. auch die angesagten It-Pieces tragt, ist legitim und wird umso legitmer, wenn ihr euch Teile ausleiht und euren Status nicht darüber definiert, wie voll der Kleiderschrank ist oder worin ihr gerade investiert habt. Der Hashtag ist super! Ich rege mich immer mal wieder über diesen Konsumwahnsinn auf, vor allem wenn die Damen dann in ihren Gucci-Schlappen durch die Gegend schlurfen, sie aber in zwei Jahren nicht mehr eines Blickes würdigen. Soll’s ja alles geben, auch bei Modefremden, nur eben nicht in diesen oft sehr exquisiten Mengen. 😉
    Dann noch schnell den Bogen zur Politik zu spannen, ist der Klassiker. Damit kann man sich ja immer retten, mit dem erhobenen Zeigefinger auf andere zeigen und schnell mal gesellschaftspolitisch oder seriös politisch zu werden, ohne selbst Stellung beziehen zu müssen. Verstecktes Trump-name-dropping und betroffen sein. Eh klar. Naja. Auch da sind Blogger die bessere Adresse, weil ihr Leben, ihre Sorgen deutlich näher sind, an “unserem Leben”.
    Insgesamt, haben Blogger eine absolute Daseinsbereichtigung, auch wenn manche den ein oder anderen Vorwurf sicher erfüllen, und eigentlich nicht wissen, was sie da tun, etc. Aber auch das merkt man als Follower meistens, wenn da kein wirklichen Charakter dahintersteht.

    Also, macht weiter so & viel Spaß in Paris! 🙂

  5. Wirklich traurig, nach all den Jahren.
    Diagnose: letzte Zuckungen. Ein verletztes Tier ist aggressiver.

    Matthew

  6. Frau Hellmann

    Ich denke es handelt sich um eine sehr normale Reaktion einer alteingesessenen Garde gegenüber neuen, jungen Köpfen die den eingefahrenen Modezirkus auf den Kopf stellen und zeigen, dass Haute Couture und Co. nicht nur etwas für Menschen ist die sich mit Geldscheinen ein gemütliches Feuerchen in ihren englischen Cotage anmachen, sondern dass auch Menschen außerhalb dieser Welt eine Idee, Auffassung und Meinung über Mode haben und haben dürfen. Der individuellere Zugang zu Mode ist doch das was uns täglich dazu verleitet snapchat und Co. anzusehen. Otto N. sieht was geht und probiert vielleicht sogar selbst aus. Fashionblogger machen Mut auszuprobieren und dann zeigt sich doch was Mode ist, eine Sache für jedermann.

  7. Ein sehr gut geschriebener Artikel liebe Lisa, ich habe mich auch schon gewundert, warum die Vogue (US) so vehement gegen die Blogger schießt. Schließlich wollen sie selbst ja auch gerne den Streetstyle in ihrem Magazin haben, das ich im übrigen auch selber sehr gerne lese. Aber vielleicht ist es nun doch gravierender geworden, das eben genau diese Magazine ihre Leserschaft verliert, weil sich Insta und Co so viel einfacher konsumieren lassen. Ich selbst blogge erst seit 1,5 Jahren, aber muss mich sehr häufig wundern, das gerade viele Printmedien sich jetzt negativ über das Blogger-Business äußern, obwohl sie noch vor gar nicht langer Zeit teils lange Artikel über die “Spezies” Blogger positiv geschrieben und veröffentlicht haben. Soll das eine Art “Stutenbissigkeit” werden, oder “wer ist die beste, schönste und erfolgreichste Moderedakteurin im ganzen Land?” ich persönlich finde das wirklich albern und wenig professionell. Die Blogger und Influenzer sind zur Zeit nun mal sehr gut im Geschäft und oft tonangebend, was den neusten individuellen Look angeht. Ich merke es ja auch selbst, dass ich öfters gefragt werde, wo ich meine Outfitideen oder eben diese oder jene Klamotte her bekommen habe. Ich gebe als Bloggerin den Lesern eigentlich nur die die Anregungen, lebe das aus was mir gefällt und bin an Niemanden gebunden. Entscheiden und umsetzen müssen die Leser/innen selbst und auch den Willen haben entsprechend Geld dafür zu investieren. Mein Verdienst ist bescheiden, aber was ein Magazin dagegen an Werbeinnahmen bekommt…wenn man sich die Zeitschrift ganz genau ansieht…
    Ich meine, auch die Ladies aus der Redaktion der Vogue sollten erst nachdenken, bevor sie solche Aussagen posten, denn es kann auch sehr schnell zu weiteren Abbrüchen ihrer Leserschaft führen.
    Liebe Grüße und viel Spaß in Paris,
    Mo
    http://www.just-take-a-look.berlin

  8. mena skittles

    Amen! Ich finde es wirklich verblüffend und schade das auf einmal wieder so gegen Blogger gebasht wird! Warum frag ich mich aber, denn heutzutage sind Blogger und Influenzier diejenigen die meiner Meinung nach Streetstyle und Fashion miteinander kombinieren. Wer sich heutzutage mit Mode beschäftigt liest und surft lange nicht mehr nur bei Vogue oder Harper’s Bazaar, sondern eben auch auf Blogs! Und das ist auch gut so. Ich bin gerade dabei meinen eigen Blog zu kreieren weil es mir spass macht , aber sehe mich noch lange nicht als Blogger oder Entrepreneur. Aber jeder der es macht Hut ab! Respekt! 🙂 Sowas sollte doch gefeiert werden, denn Mode ist für uns alle da! so Vogue Editors: Get your head out of your asses please! 🙂
    Viel spass in Paris rock it!!!

  9. Ich konnte dir schon nur zustimmen als du auch Snapchat darüber geredet hast. Als ich ein Praktikum in der Online Redaktion einer Zeitschrift machte, ist mir auch schon aufgefallen, dass häufiger mal Teile von Labels erwähnt wurden, weil es sich um Anzeigenkunden handelt. Auch in der Moderedaktion gab es Kleidung, die ausgeliehen wurde, wenn es mal zu einem Event ging. Oder da wurde eben jemand ausgestattet – ist doch auch völlig in Ordnung.
    Beim Bloggen denke ich genauso: weshalb sollte man ALLES kaufen und besitzen, wenn man z.B. ein Kleid nur zu einem Anlass trägt? Gerade schickere Events sind selten, sodass man nicht jedes Mal etwas Neues kaufen muss.

    Dass solche Kommentare gerade aus einer Online Redaktion kommen, finde ich besonders schade. Gerade da wirkte es eigentlich so, als hätte man sich gut angenähert und würde sich gegenseitig inspirieren. Wenn sie sich da mal nicht ins eigene Bein geschossen haben.

  10. […] wieder ein sehr sehr guter Artikel von den Mädels von Blogger Bazaar zum Thema Blogger Bashing. Hier gehts zum […]

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