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Soho House Penal Talk – Digitale Perspektiven auf Kunst und Mode

Am Wochenende war das Berliner Gallery Weekend, wir konnten Einblicke in sonst schwer zugängig Galerien gewinnen, neue und besondere Ausstellungen bewundern und unseren Kunsthorizont erweitern. Kunst lässt oft Raum für Gedanken, Gefühle, Assoziationen und vor allem Interpretationen, die Absicht hinter bildender Kunst ist jedoch oft der Diskurs. Wir wollen in Kontakt treten, eine Konversation über das Erlebte führen – ob mit uns selbst, oder anderen wird uns dabei frei überlassen. Um dieser Motivation gerecht zu werden, haben wir in der letzten Woche eine Gallery Weekend Kick-Off Veranstaltung im Soho House Berlin gehostet: Ein Penal Talk über digitale Perspektiven auf Kunst und Mode. Dafür haben wir Magnus Resch, Kunst-Entrepreneur, Autor und Start-Up Gründer von unter anderem ‚Magnus’, dem Shazam der Kunstwelt, als auch Julian Daynov, Einkäufer beim Luxus-Kaufhaus Sax Fifth Avenue in New York mit Styling- und Editorial-Hintergrund, eingeladen. Wir haben nicht über die Werke an sich, sondern über die Branche, über Entwicklungen und Bewegungen in der Industrie, über Parallelen zwischen Mode und Kunst, über neue Phänomene gesprochen: Diese Gedanken- und Fragenfetzen wollen wir nun mit euch teilen. Wir sind unglaublich glücklich, dass dieses Projekt so gut ankam, dass es ausgebucht war und nehmen diesen Penal-Talk als Anlass und Startpunkt für weitere, zukünftige Gesprächsrunden, für eine ganze Serie an Talks, die hoffentlich noch kommen werden.

Die digitalen Medien sind die größte Erfindung der letzten Jahrzehnte und haben unsere Generation soweit überrollt und eingenommen, dass für die meisten ein analoges Leben nicht mehr vorstellbar ist. Social Media Plattformen sind nicht mehr nur reine Networking-Outlets, Selbstdarstellungs-Medien und Austauch-Services, sondern wichtige Bestandteile des Marketing-Systems. Diese Plattformen haben enormen Einfluss auf Künstler, Modemacher, Kreative und Unternehmer, auf ihre Arbeiten und Karrieren. Sie bieten eine Verkaufsfläche, Aufmerksamkeit und Reichweite, sie sind die neuen Ermöglicher. Wir haben uns gefragt, wie dieses Phänomen die Branchen verändert. Sollten junge Künstler Social Media nutzen? Brauchen Maler eher einen Social Media Manager als eine Galerie? Will Kunst überhaupt demokratisiert werden? Wie sehr werden Einkäufer und große Firmen von Social Media beeinflusst? Wieso sollten große Unternehmen auf Influencer setzen? Ändert der Künstler seine Bildsprache aufgrund von Like-Zahlen? Ist das Image einer Marke mittlerweile nicht wichtiger als das Design eines Kleidungsstückes?

Besonders spannend ist dabei die Plattform Instagram: Ein Künstler kann seine Werke umgehend bewerten lassen und ist mit einer hohen Follower-Zahl wahrscheinlich interessanter für Museen und Galerien. Gleichzeitig kann Social Media jedoch niemals den Galeristen ersetzen, der Gutes von Schlechtem filtert. Instagram bleibt also ein reiner Marketingchannel, der Künstler, wie Brands und Designer mit Talent und Alleinstellungsmerkmal durch Hype zu einem Moment verhelfen kann. Wird dieser Moment richtig genutzt, kann er zu Langzeit-Aufmerksamkeit und –Erfolg verhelfen. Große Mode-Kaufhäuser zum Beispiel werden oft durch Social Media auf kleinere Brands aufmerksam und nehmen sie, wenn auch testweise und auf Zeit, in ihr Sortiment auf. Sie kopieren dieses Sortiment oft von ihren Konkurrenten, wodurch die kleine Brand groß gemacht werden kann. Auf der anderen Seite muss natürlich zwischen Follower und Käufer unterschieden werden: Ein Klick auf den Abonnements-Button ist oft leichter als tausende von Euro in ein Teil eines unbekannten Designers zu investieren. Der allgemeine Kunde wird in diesem Falle meist doch seine Ersparnisse in ein Prestige-Produkt von Chanel, Dior oder Gucci stecken. Kunst dagegen wird privat kaum gekauft: Obwohl Instagram die größte Art-Data-Base der Welt ist wird sie in diesem Falle nur für den Hype und nicht für die Sales genutzt. Der Online-Kunst-Markt ist enorm klein. Die Exklusivität und der Beigeschmack von Kunstwerken ruiniert den Markt und Transparenz, vor allem in Bezug auf die Preise, könnte ein Gegenmittel sein. Kunst-Influencer nutzen also weiterhin den Galeristen für die Verkäufe, greifen aber zu Instagram um Evaluationen ihrer Werke zu bekommen. In manchen Fällen geht dies sogar so weit, dass der Künstler seine Arbeitsweise von Like-Zahlen beeinflussen lässt und produziert, was gefällt. Kunst und Mode sind sich nicht unähnlich, der Markt jedoch ist komplett unterschiedlich: Wenn ein Kunstwerk gekauft wird, dann hat es immer mit der direkten Verbindung zum Künstler zu tun. Wir könnten einen Pollock oder Mondrian erschaffen, ihn aber niemals wie einen verkaufen. In der Mode jedoch werden auch die Fakes, Abklatsche und Remakes gekauft. Es besteht die Gefahr einer Marktüberschwemmung, dass wir uns an bestimmten Teilen sattsehen und die Magie verschwindet.

Für uns geht es aber natürlich auch um die Influencer-Seite des Ganzen. Wir sind der Meinung, dass Zahlen oft ausschlaggebender für Markenkooperationen, als die tatsächliche Qualität der Inhalte sind und denken, dass in Zukunft eine Differenzierung stattfinden wird. Marken sollten nicht nur nach Followern und Likes gehen, sondern den Reichweitegedanken mit Authentizität verbinden. Gerade in Zeiten, wo Design, durch seine weite Verbreitung, immer weiter hinter das Image der Marke gerückt wird, müssen Marken sich über ihre Kooperationspartner, besonders Blogger und Influencer, Gedanken machen. Die Bildsprache, die Aussage und Botschaft von beiden Parteien sollte miteinander korrespondieren. Es geht hier um Branding und Positionierung, um Langzeit-Effekte und auch –Verkäufe. Und genau da sehen wir uns, als Influencer, die nicht den Zahlen hinterherhecheln, sondern ganz ehrlich und persönlich unser eigenes Ding machen wollen. Zusammenfassend: Die Balance behalten, zwischen Kunst und Mode, zwischen Arbeit und Leben, zwischen Hype und Präsentation.