Lifestyle

Weekly Updates – mit Balenciaga für Colette, einem neuen LVMH Gewinner und dem Dolce & Gabbana Boycott

Diese Woche drehen sich unsere Weekly Updates tatsächlich nur um Mode. Back to the roots, quasi: Wir stellen euch die Gewinner des wichtigsten Design-Nachwuchspreises, dem LVMH Preis, vor, wir beschäftigen uns mit Modefotografie und einem entdigitalisierten Take-Over des High-Fashion-Concept-Stores Colette. Außerdem boykottieren wir Dolce & Gabbana, sind der Meinung, dass Politik auch in die Welt der Laufstege und Fashion Weeks gehört und kurbeln selbst ein wenig die Industrie mit unseren Wunschlisten an.

It’s still Sale-Time
Seit wir erwachsen sind und unser eigenes Geld verdienen, verfolgen wir die Modezyklen, vor allem mit Blick auf die Preise und ganz besonderem Blick in unsere Postfächer. Denn die Zeit genau nach Weihnachten, die Zeit vor der Fashion Week, ist die, in der wir nach Sale-Newslettern Ausschau halten und uns mehr über unser Spam-Fach freuen, als über die eigentlichen Events. Wir übertreiben natürlich nur, aber Fakt ist: Wir lieben den Sale! Und der aktuelle scheint besonders gut zu sein und lange anzudauern. Wir haben einen Sale-Guide geschrieben, der unsere persönlichen Warenkörbe und Wunschlisten offenlegt. Das ein oder andere Teil wird sicher auch für euch dabei sein!

Der LVMH Preis und seine Gewinner 2017
Wer sich ein bisschen mit der Modeindustrie auseinandergesetzt hat, der weiß, dass hinter Marken, wie Dior, Louis Vuitton, Céline oder Loewe große Luxusgüterkonzerne stecken. In diesem Fall ist es LVMH, der weltweite Branchenführer. Und auch wenn sich das Wort „Konzern“ immer eher unsexy und wenig sympathisch anhört, dann engagiert sich gerade LVMH dafür das Gegenteil zu beweisen: Einmal jährlich findet die Preisverleihung des LVMH Preises statt. Aus über 1.200 Bewerbern aus 90 Ländern wurden dieses Jahr 21 Jungdesigner und Fashion-Talente nominiert um ein Preisgeld von bis zu 300.000 Euro und Unterstützung vom Konzern zu gewinnen. Die Jury kürte schon Talente, wie Wales Bonner, Vejas, Marques’Almeida, Jacquemus und Hood By Air. Die Nominierung ist zwar kein Erfolgsgarant, aber ein ziemlich guter Indikator. Gerade weil das Komitee aus welchen der kreativsten Köpfe der Modeindustrie besteht. Dieses Jahr entschieden unter anderem Karl Lagerfeld, Marc Jacobs, Maria Grazia Chiuri, J.W.Anderson und Nicolas Ghesquière an wen die Finanz- und Mentorenspritze gehen würde. Mit der Kollektion „Radical Call For Love“, der Wiederbelebung arabischer Kleidungsschnitte des 19. Jahrhunderts und der Kombination mit sportlichen Elementen wurde die französische Junior Designerin bei Balenciaga Marine Serre dieses Jahr mit dem Hauptpreis ausgezeichnet. Den Jury-Preis bekam der japanische Designer Kozaburo Akasaka. Außerdem wurden Mariam Mazmishvili, Maija Mero, Robert Wallace mit dem LVMH Graduates Preis und einer jeweils einjährigen Anstellung bei Louis Vuitton, Kenzo und Céline ausgezeichnet. Als wiederkehrende Themen der diesjährig eingereichten Kollektionen stellte die Jury vor allem die Schlagwörter Streetwear und Gender-Diversität in den Mittelpunkt.

Mario Testino wird mit dem französischen Ehrenorden ausgezeichnet
Wir haben in den letzten Wochen schon über die aktuell spannendste Modefotografie-Ausstellung in Deutschland berichtet: Die Werke von Helmut Newton, Mario Testino und Jean Pigozzi im Museum für Fotografie in Berlin. Dass gerade Helmut Newton und Mario Testino zu den größten Modefotografen der Welt zählen gehört zum Mode-Grundwissen, dass letzterer nun aber einen Ehrenorden verliehen bekommen hat, ist ganz neu. Der in Peru geborene Starfotograf wurde diese Woche für sein kulturelles Engagement, wie die Eröffnung der Non-Profit-Organisation „MATE – Museo Mario Testino“, mit dem französischen Ritterorden der Ehrenlegion geehrt, der höchsten Auszeichnung Frankreichs.

Balenciaga x Colette
Wir kennen Instagram-Take-Overs, wir machen sogar Instagram-Take-Overs, aber wie so etwas in der echten Welt aussehen würde konnten wir uns bis vor ein paar Tagen noch nicht wirklich vorstellen. Der bekannteste Pariser High-Fashion-Concept-Store Colette holt das Kooperationsphänomen von der digitalen Social Media Welt auf seine Ladenfläche und lässt die französische Brand Balenciaga seine Räumlichkeiten für einen Monat übernehmen. Seit dem 19. Juni können wir uns eine exklusiv angefertigte Schaufenster-Installation und das Werk CAKE des Berliner Künstlers Yngve Holen in der Rue Saint Honoré anschauen. Für die, die es nicht nach Paris schaffen gibt es die exklusiv limitierte Kooperations-Kollektion, die teilweise Teile der FW17 Kollektion von Balenciaga in neuen Stoffen und Farben umfasst, auch online zu kaufen – von Schlafmasken, über Socken-Turnschuhe, Logo-Hoodies, Feuerzeuge und Caps, die wie Hotel-Merch aussehen. Außerdem wird Mei Kawajiri, die Nail Artistin der Balenciage-Show, vom zweiten bis zum sechsten Juli den Runway-Nail-Look kostenlos auf Fingernägel von Kunden und Kundinnen rekreieren. Das spannendste ist aber das Balenciaga Copy Center, indem T-Shirts und Hoodies mit einer Auswahl von Grafiken bedruckt werden können.

Für Colette leitet Balenciaga damit eine neue Kooperationszeit ein, in der jeden Monat ein neuer Take-Over von einem anderen Label stattfindet. Folgende Marken werden dem Concept-Store jeweils einen Monat lang einen ganz neuen Vibe bringen: Les Vacances de Lucien, Sacai, Thom Browne, Chanel, Saint Laurent. Keep up to date!

Boycott Dolce & Gabbana – Der Fashion Week Eklat
Eine Frage, die man sich als menschlicher Teil der Modeindustrie immer wieder stellen muss, ist: Wie politisch relevant kann Mode tatsächlich sein? In den letzten Jahren ist durch die Demokratisierung, durch die Globalisierung und vor allem Social Media ein Shift von Kleidung auf Image entstanden: Die Philosophie, die Werte oder nennen wir es Politik einer Firma wird immer wichtiger. Mit welcher Marke kann ich mich identifizieren und mit welcher Marke möchte ich überhaupt assoziiert werden? Die aktuelle Boycott D&G-Kampagne wirft genau diese Fragen erneut auf: Ein Prestige-Label, das öffentlich Melania Trump als Markenbotschafterin einsetzt, sie auf Events einkleidet, während jede andere große Marke dies vermeiden will und dann behauptet Politik würde die Marke nicht interessieren, es ginge lediglich um die Kleidung. Als Reaktion auf politischen Gegenwind hat das italienische Traditionshaus eine ironische Kampagne mit einem Logoshirt, auf dem „Boycott D&G“ steht und das 245 Dollar kostet, veröffentlicht.

So viel zur Vorgeschichte, nun geht es um den aktuellen Vorfall, der während der Präsentation der SS18 Menswear Kollektion Wellen geschlagen hat: Der georgische Sänger Raury, der zum Influencer-Model-Squad der diesjährigen Show gehörte, hat erst kurz vor seinem Runway-Debut von dem Trump-Eklat und der Kampagne gehört und sich selbst zum lebenden Protestschild gemacht. Beim Finale zog er seinen Hoodie aus und entblößte eine vollgeschriebene Brust. „Protest D&G, Give me Freedom, I am not your scapegoat“. Erst wurde er rausgeschmissen, dann aus dem Show-Video geschnitten und im Nachhinein Stellung bezogen: “Boycotting is the people’s voices. It has power. It changes things. The campaign completely makes a mockery of what ‘boycotting’ is.“