Lables to watch, Mode

Label to Watch: Damir Doma

Guckt man sich Damir Domas Herbst/Winter 2018/2019 Kollektion an, strahlt der erste Teil ein wenig Spießigkeit aus, greift auf eine heile Welt-Optik zurück, die nur als Gefühl und kaum stilistisch übersetzt wird und erinnert uns an verblichene Werbekampagnen aus Holzhütten. Wir haben ein Bild von einer Frau vor Augen, die gerade von der verschneiten Weide kommt, sich einen grobmaschigen Strickpullover überzieht und es sich vor dem offenen Feuer gemütlich macht. Irgendwo in diesem Gedankenprozess mischt sich das Bild eines moderneren Bergsteigers dazwischen, bis das Gefühl als bloße Verunsicherung zurückbleibt, wenn die Woll-, Strick-, Karo- und Kord-Motive in Erdtönen und mit Blumenmuster, innerhalb der Kollektionen, einem weitaus urbanerem Stil weichen. Haben wir diesem kleinen Ausflug ins Idyllische komplett falsch interpretiert? Ist es noch die gleiche Schau? Sitzen wir in der richtigen Schau? Jetzt erkennen wir die Signal-Sprache von Damir Doma, es wird minimalistischer, die Farbigkeit wird weitgehend von einem erwarteten Schwarz eingenommen und das ländliche Motiv wird zum Grunge, zu einer Art Bekennung zu einer Subkultur. Asymmetrische Bomberjacken treffen auf fast phosphoreszierende Kleider mit Seidenvolants über transparenten Langarm-Shirts, auf Kapuzenpullover mit Mercedes-Logo und beblümte Office-Gear. Die Geschlechter der Models scheinen an Diskrepanz zu verlieren, während sie in den Damir Doma entwürfen zu dem Track ‚Turns’ von Barker & Baumecker über den Steinboden der Halle im Berghain laufen. Die Kollektion ergibt wieder Sinn und wir erkennen das Motiv der ‚Unsicherheit’, von dem Doma schon vorab sprach. Die Kollektion wurde von den unberechenbaren gesellschaftlichen und politischen Zeiten geprägt, in denen wir gerade leben.

Damir Doma ist ein Designer mit kroatischen Wurzeln, der in Oberbayern aufwuchs und seine Ausbildung in München und Berlin abschloss. Danach verließ er die deutsche Hauptstadt für Antwerpen, Raf Simons und Dirk Schönberg, diese für Paris und sein eigenes Label und diese für Mailand und ein besseres Verständnis für den Kunden. Seit 2015 ist Damir Doma fester Bestandteil der Fashion Weeks in der italienischen Modestadt. Doch dieses Jahr tauschte er auf Einladung Christiane Arps und des Fashion Councils Germany den Mailänder Laufsteg gegen den wohl bekanntesten Club der Welt. Gegen das Berghain und damit auch die Berliner Fashion Week.

Für uns, für Berlin und für die deutsche Modeindustrie ist es ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Denn wir sind ein Land der Export-Designer und bereichern gerne die internationalen Fashion-Weeks mit wunderbar ausgebildeten Nachwuchstalenten, doch zurück kommen sie selten. Auch wenn Damir Doma nur einen kleinen Abstecher nach Berlin machte und zur nächsten Saison höchstwahrscheinlich wieder in Mailand zeigen wird, gilt seine Aufwartung als kleiner aufmunternder Tätschler, sowie Kick in die Richtung von Internationalität und Relevanz.

Die Kollektion

Alle Bilder von VOGUE.de

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