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Gallery Weekend Berlin ’18 – GUIDE

Text enthält werbliche Markennennung von Johnnie Walker

Gastbeitrag von unserem Kunst-und Kulturfreund David Jenal @davidjenal

Einmal im Jahr schließen sich rund 50 der größten und einflussreichsten Berliner Galerien zusammen, um am letzten Freitagabend im April synchron Ausstellungen von ihren wichtigsten und teuersten Künstlerinnen und Künstlern zu eröffnen und damit endlich einmal das Publikum anzuziehen, über dessen Abwesenheit sie dann den Rest des Jahres wieder klagen: internationale Sammler, Kuratoren und Kritiker bringen Geld (Sammler), Einfluss (Kuratoren) und Meinung (Kritiker) nach Berlin und machen das Gallery Weekend zum wichtigsten Termin für die Kunstwelt der Hauptstadt.

Die Möglichkeit, derart viel hochkarätige Kunst in derart kurzer Zeit zu sehen, bietet sich nur selten. Neben den 47 Galerien, die in diesem Jahr im offiziellen Programm des 14. Gallery Weekend gelistet sind, nutzen zahlreiche kleinere Galerien, Institutionen und Ausstellungsräume die Vorzüge des Termins und veranstalten Diskussionen und Talks, eröffnen Ausstellungen oder laden zu Parties. Auf letzteren kann man sich meist und netterweise kostenlos betrinken. Auch dafür wird sicherlich der ein oder andere Gast für ein Wochenende anreisen, und man kann es ihm nicht verübeln.

Wie bei jeder Veranstaltung in Kunst und Mode gibt es auch beim Gallery Weekend ein paar Dinge, die es zu beachten gilt: Jeder, wirklich jeder, darf zu jeder Eröffnung kommen. Trotzdem sollte man noch besser aussehen, als man das ohnehin schon tut und ein Parfum tragen, dass einen mindestens zehn Jahre älter riechen lässt. Zu den derzeit heiß diskutierten Themen in der Kunst (#metoo, Cultural Appropriation, Pay Gap) muss man eine klare und vor allem in fünf Sekunden darzulegende Meinung haben und diese bei jeder noch so kleinen Gelegenheit äußern. Und auf teurem Papier ausgedruckte, banale Ausstellungstexte sind so lange mit sich rumzutragen, bis sie wirklich brutalst nerven und man sie gesammelt in den nächsten Mülleimer entsorgt.

Und weil es wirklich sehr viel Kunst ist, die gezeigt werden wird an diesem Wochenende, folgen nun sechs herausragende Ausstellungen, die niemand verpassen sollte.

Übrigens: Die Ausstellungen sind am Sonntag nicht vorbei, sondern, je nach Galerie, noch in den folgenden Wochen und Monaten zu sehen. Für Ortsansässige besteht also nur bedingt Grund zur Eile.

Die Schweizer Künstlerin Claudia Comte darf zum Gallery Weekend den wohl beeindruckendsten Galerieraum der Stadt bespielen: Im Kirchenschiff von St. Agnes, dem Zuhause der Galerie von Johann König, zeigt sie eine Installation aus 20 Fichtenstämmen und ebenso vielen Skulpturen aus Holz, Marmor und Bronze. All das wird begleitet von einer Film-Animation und einem Soundtrack von DJ und Produzent Egon Elliut.

Johann König wäre nicht er selbst, wenn er es dabei belassen würde: Im Erdgeschoss der Galerie zeigt er Arbeiten der belgischen Malerin Evelyne Axell. Und am Samstag lädt er gemeinsam mit den Blogger-Kollegen von Dandy Diary zu einer Party im Asia-Restaurant NGON (Rathausstraße 23, 10178 Berlin, 22.00 Uhr).

Johnnie Walker x Stefan Marx inszenieren Pop Up Art Bar

Die Potsdamer Straße in Schönberg ist mittlerweile der vielleicht wichtigste Straßenzug während des Gallery Weekends. Große Galerien wie Esther Schipper, Guide Baudach und Tanya Leighton haben sich hier, zwischen Sexshops und einem Flagship-Store von Acne Studios, in den letzten Jahren angesiedelt und den einstigen Unort zum heißesten Spot Berlins gemacht.

In der Tiger Bar auf der „Potse“ zeigt der Hamburger Künstler Stefan Marx am Wochenende (und in diesem Fall: auch nur dann) zusammen mit Johnnie Walker, offizieller Förderer des Gallery Weekend, einige seiner gut gelaunten, großformatigen Typografie-Studien. Marx ist bekannt für einen gekonnt kindlichen Zeichenstil, zahlreiche, liebevoll gestaltete Bücher und Auftragsarbeiten für das Hamburger Thalia Theater. Gäste und Kunstbegeisterte können in der Art Bar aber nicht nur Kunst erleben, sondern auch am Freitag ab 19 Uhr und am Samstag ab 15 Uhr entspannt besondere Whisky Art Drink Kreationen genießen.

Nette Versuche von Thomas Platt und Stephan Porombka

Thomas Platt ist Restaurantkritiker und Buchautor, Stephan Porombka Professor für Texttheorie und Social Media-Kenner. Beide verlassen sie nun zumindest vorübergehend die von ihnen hinreichend bearbeiteten Themenfelder. Platt malt jetzt Bilder, die nach dem von ihm entwickelten „Cognitive Shuffle-Prinzip“ das Gehirn lahmlegen sollen, Porombka druckt Radierungen, bestehend jeweils aus Bild und Text, deren Witze irgendwo in der Luft hängen bleiben und gerade deshalb lustig sind. Was die beiden machen, sind Versuche, aber eben: wirklich nette Versuche.

Louise Bourgeois im Schinkel Pavillon

1968 ließ sich Louise Bourgeois von Robert Mapplethorpe portraitieren. Seine legendäre Aufnahme zeigt sie in flauschiger Jacke und mit massiver Penis-Skulptur unter dem Arm, vor allem aber als eine trotz ihrer Divenhaftigkeit wahnsinnig anmutige, zugängliche Frau, kraftvoll, gewitzt und nicht frei von Perversität.

Im Schinkel Pavillon, neben der König Galerie einer der architektonisch reizvollsten Ausstellungsräume der Stadt, sind derzeit die sackartigen Gebilde der 2010 verstorbenen Künstlerin zu sehen, abstrakte Abbilder des weiblichen Körpers, mit dem sich die Tochter eines gewalttätigen Vaters in ihrer frühen Jugend auseinanderzusetzen begann.

Die Skulpturen, die man eigentlich gar nicht als solche bezeichnen mag, weil sie nicht starr, sondern so unglaublich beweglich scheinen, werden zu großen Teilen in Glaskästen gezeigt, von Bourgeois Zellen genannt, die für verschiedene Arten von Schmerz stehen sollen. Dabei ist die Ausstellung vor allem mystisch, direkt und humorvoll.

Yngve Holen in der Galerie Neu

Der norwegisch-deutsche Künstler Yngve Holen ist der Vertreter des German Engineering in der Kunst. Holen, der in Braunschweig aufwuchs und in Wien Architektur studierte, arbeitet mit Bauteilen von MRT-Geräten (wovon eines momentan in der Sammlung Boros zu sehen ist), Waschmaschinen, Autoscheinwerfern oder einfach gleich ganzen Autos.

Seine Arbeiten sind von kühler Effizienz, Perfektion und Sauberkeit, führen direkt hinein in die Präzision deutscher und internationaler Industrie-und Technologieunternehmen und zeigen dabei die Grenzen ihrer Entwicklungen und die Schnittstelle von Technik und Mensch auf.

Für seine Einzelausstellung in der Galerie Neu hat Yngve Holen die Felgen von SUVs gescannt, um sie vergrößern, aus Sperrholz fräsen und damit zu technoiden, gleichförmigen Skulpturen werden zu lassen. 

Mixed Pickles in Kreuzberg

In einer für eine Ausstellung radikal überdimensionierten Lagerhalle der Kleinlastwagen-Vermietung Robben & Wientjes in Kreuzberg, zwischen den Nachtclubs Prince Charles und St. Georg, zeigt der Kölner Galerist Nils Müller (Ruttkowski;68) die dritte Auflage der von ihm kuratierten Gruppenausstellung Mixed Pickles. Unter den Arbeiten sind ein Sarg des ghanaeschen Sargkünstlers Paa Joe, eine Installation des Art Direktors des Modemagazins 032c und der Neuen Zürcher Zeitung, Mike Meire, außerdem Gemälde von Conny Maier und Jenny Brosinski und eine Videoarbeit von Profi-DJ und Laien-Schauspieler Lars Eidinger.