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Personal Issue – Gedanken zur Zeit und zur nachhaltigen Zeitverwendung

Wir alle haben ständig „keine Zeit“. Zumindest ist das oft unsere Ausrede, dabei haben wir alle Zeit, sogar sehr viel mehr Lebenszeit als unsere Vorfahren. Die Frage ist nur, für was wir uns Zeit nehmen.

Ich habe mir anlässlich des 150 Jahre Jubiläums der Uhrenmarke IWC Schaffhausen die Zeit genommen, etwas über das Konzept der Zeit zu philosophieren und Gedanken aus meinem Gespräch mit dem Zeitforscher Jonas Geißler aufzuschreiben.

Tatsache ist: der Mensch hat keine genaue Sinneswahrnehmung für Zeit: Zeit ist nicht zu sehen, riechen, hören, schmecken oder zu ertasten. Die Zeit vergeht und wir bemerken es nicht oder nur relativ zum Erlebten und den Auswirkungen der Zeit. Deshalb koppeln wir Zeit an sichtbare Dinge in unserer Außenwelt, um sie sichtbar und messbar zu machen. Noch vor der Erfindung der mechanischen Uhr war das die Natur. Die Tages-Uhrzeit war mit der Natur, bzw. dem Stand der Sonne verbunden. Damals gab es kein pünktlich bzw. keine genauen Zeitpunkte, sondern Zeit war ein Konstrukt von Zeitrahmen, dafür aber waren die Tagesabläufe direkt von der Natur und ihren Abläufen strukturiert. Zum Sonnenaufgang wurde die Arbeit auf den Feldern aufgenommen, zur Mittagshitze eine Pause gemacht, bei einbrechender Dunkelheit war es Zeit nach Hause zu gehen.

Mit Erfindung der mechanischen Uhr wurde die Zeit mit einer anderen Größe gekoppelt – mit Geld.  Zeit wurde als eine genauen Rechen- und Messeinheit verwendet, um Abläufe und Tage zu strukturieren. In Zeiten der Industrialisierung war es plötzlich möglich Arbeitszeiten und damit Menschen genau zu kontrollieren. Zeit ist Geld und Geld ist Arbeit. Happy Birthday Karl Marx. “Das Problem” für den modernen Menschen, an dieser Kopplung von Zeit an Kapital ist die limitierte Einheit Zeit und die, als Ziel von Wirtschaftspolitik, unbeschränkt wachsende Einheit Kapital. Da wir immer mehr verdienen wollen, müssen wir immer mehr von unserer Zeit arbeiten. Diese wahrgenommene Beschleunigung führt zu dem Gefühl von “keiner Zeit”.

Deshalb ist es ein spannendes Gedankenexperiment sich zu fragen: „Was würde ich mit meiner Zeit anstellen, wenn ich keine wirtschaftlichen Zwänge hätte?“ Vielleicht einfach mal sein. Das tut man sowieso viel zu wenig. Weil man meistens damit beschäftigt ist zu leisten oder sich vom Leisten zu erholen, damit man wieder leisten kann. Was sind die Dinge bei denen ihr einfach nur seid und eventuell tatsächlich, wenn ihr Glück habt, die Zeit vergessen könnt?

Wenn wir verstehen, dass wir also Lebenszeit als Ware gegen Güter tauschen, würde es uns dann nicht viel leichter fallen auf manche Dinge zu verzichten und lieber Zeit und Freiheit genießen? Und wenn wir arbeiten, wollen wir dann im Gegenzug nicht eben nachhaltig wertige Produkte? Dinge, die lange halten und nicht so schnell auszutauschen sind? Produkte die für mehr stehen, als den Gegenstand an sich? Genau deshalb glaube ich, dass sich auch Statussymbole, die Leistung und Arbeit symbolisieren bereits verändert haben und immer weiter verändern werden. 

Mit teuren Uhren ist das genau so ein Ding. Welche Funktion oder Wertigkeit nimmt eine schöne, hochwertige Uhr in unserer heutigen Zeit ein? In Zeiten von Smartphones sind wir uns einig, dass, um die Uhrzeit abzulesen alleine, niemand so tief in die Tasche greift. Und sowieso, werden mechanische Uhren nicht sowieso von Smart Watches ersetzt werden?

Ich bin ehrlich gar kein Fan von Smart Watches unter anderem aus oben hergeleiteten Gründen. Durch die schnellen Innovationszyklen in dem Bereich, wird eine Smart Uhr, die ich mir jetzt anschaffe, in 2 Jahren wahrscheinlich nicht mehr zeitgemäß und funktional sein. Außerdem ist mir persönlich mein Handy schon nah genug dran und allzeit griffbereit, da möchte ich nicht noch ein weiteres Gerät haben, was mir Nachrichten und News zuspielt oder mich an meine Termine erinnert. Ich verstehe total, dass ein solches Teil zum Sport machen oder für bestimmte Jobsituationen praktisch ist, in meinem alltäglichen Leben sehe ich es aktuell noch nicht.

Viel schöner finde ich die Idee einer lokal produzierten Traditionsuhr wie IWC Schaffhausen, die als Schmuckstück an meinem Handgelenk über Jahrzehnte Erinnerungen sammelt und dann sogar weiter vererbt werden kann. Mechanische, 200 Jahre alte Handwerkskunst, die wahrscheinlich in 50 Jahren mehr wert ist als jetzt und auch dann noch repariert und in Stand gesetzt werden kann. IWC ist dabei als Underdog der Luxusuhren unaufdringlich. Eine IWC Uhr ist immer ein Zeichen von Understatement, nicht jeder erkennt sie sofort, wenn dann aber meistens die richtigen Leute. Statussymbole sind eben eine Form der Kommunikation, ein Code sozusagen. Der Code ändert sich eben aber gerade.