Kosmos, Kulturfilter, Lables to watch, Mode

UMDENKER TALKS — MARGARET AND HERMIONE

Fair Fashion – genau wie Feminismus – ruft im unaufgeklärtem Mainstream-Hirn weitgehend negative und gänzlich fehlleitende Assoziationen auf, die den Begriffen kaum gerecht werden können. Um ersteres F-Wort von dem Irrglauben es wäre teuer und hässlich, sowie dem Bild der steif-kratzigen Stoffe, prüden Pädagogen oder dem alternativen Kommunen- und Selbstversorgerleben zu befreien, haben wir es uns zur Aufgabe gemacht coole Labels vorzustellen, die umdenken, dem gängigen Klischee widersprechen und uns Lust auf Slow-, Fair- oder Sustainable Fashion machen. In unserem Umdenker-Talks lassen wir die Designer sprechen und zeigen, wie es möglich werden kann, selbst ein bisschen grüner, nachhaltiger oder fairer zu leben. Es ist eine Zeitgeisterscheinung sich konsequenter mit seiner Umgebung auseinanderzusetzen – ja, man könnte fast sagen, ein Trend, der bleiben darf. Ob wir auf’s Fahrrad umsteigen, Öko-Energie beziehen, Bio-Produkte essen, Veganer und Vegetarier werden, fair produzierte Mode tragen oder uns einen Mix aus all dem zusammenstellen, wir werden bewusster und wissen, dass es an der Zeit ist, mit kleinen Veränderungen bei sich selbst anzufangen. Wir wollen diese Umbruchphase leichter machen, ohne uns selbst als Pioniere oder Vorbilder darzustellen, denn das sind wir nicht. Aber ein kleiner Schritt in die richtige Richtung kann zu einer gesellschaftlichen Umbruchphase führen.

Könnt ihr euch noch an die Zeiten erinnern, in denen das Bikinioberteil immer nur zusammen mit dem -unterteil verkauft wurde? Wer also eine 42er Hüfte hatte und ein 38er Körbchen, oder eine 36er Hüfte und ein 40er Körbchen, der musste sich gleich zwei ganze Bikinis kaufen und versuchen, die Restbestände irgendwie auf seine Freundinnen mit größeren Brüsten oder kleinerem Hüftumfang aufzuteilen. Die Swimwear-Zeiten waren hart. Auch wenn sich das Größen-Problem irgendwann löste, so haben wir bis heute ein anhaltendes Designproblem. Die Kreativteams sämtlicher Unterwäsche- und Retailbrands scheinen eine genaue Vorstellung von dem zu haben, was Frauen am Strand tragen möchten – nämlich Rüschen, Blumenmuster oder komplizierte Badeanzüge, die Tan-Streifen garantieren, wie einen Tiger als Vorfahren zu haben. Sie liegen natürlich bei mindestens der Hälfte der weiblichen Bevölkerung falsch. Erst seit ein oder zwei Jahren, haben auch größere Marken angefangen endlich Swimwear zu designen, die frau tragen will: Komfortabel, schlicht mit genialen Details oder ausgefallenen Drucken, und vor allem natürlich. Ein Beispiel nehmen sie sich dabei an Brands, wie Margaret and Hermione.

Margaret and Hermione ist in der Hierarchie der Swimwear ganz oben angekommen: Wir können das Höschen separat vom Top kaufen, fühlen uns wohl in den Materialien und Formen des Labels, lieben die Designs und müssen noch nicht einmal ein schlechtes Gewissen haben. Das 2015 in Wien gegründete Label produziert nämlich nachhaltig, ökologisch, von Hand und umweltfreundlich. Der italienische Stoff für Bikinis und Badeanzüge, sowie Sportswear kommt direkt aus dem Meer. Hier werden alte Fischernetze verwendet, die im Meer herumtreiben und normalerweise verheerende Umweltauswirkungen haben. Diese werden abgefischt, dann zu Garn und später zu Swimwear verarbeitet. Designt in Wien, handgefertigt in Kroatien, aus italienischen Stoffen, bedruckt in Deutschland.

Wie stellst du dir eine Friede-Freude-Eierkuchen-Welt vor?
Alle Frauen hüpfen in meinen nachhaltigen Bikinis durch die Welt! Spaß beiseite. Dass Gleichberechtigung endlich eine Selbstverständlichkeit ist.

Was macht deine Brand konkret, um dieser besseren Welt näher zu kommen?
Margaret and Hermione produziert Swim- und Sportswear aus recycelten Fischernetzen. Sprich die sogenannten Geisternetze werden abgefischt – zu Garn und in weiterer Folge zu Stoffen verarbeitet. Warum? Man kennt die Müllberge in den Weltmeeren und die Halbwertszeit von Plastik. Swimwear besteht aus Polyamid und ich war nicht gewillt, noch mehr Müll zu produzieren.

Wie können wir alle unseren Alltag bewusster gestalten?
Indem wir Zusammenhänge erkennen. Probleme und Herausforderungen fallen nie vom Himmel, sondern entstehen langsam und prozesshaft. Wenn ich diese Prozesse nachvollziehen kann, erkenne ich auch meine Rolle darin und was ich bewusst dazu beitragen kann, um eben die Welt etwas mehr „Friede-Freude-Eierkuchen“ zu machen.