Kosmos, Kulturfilter, Lables to watch, Mode

UMDENKER TALKS — ANNA ENGELHARDT

Fair Fashion – genau wie Feminismus – ruft im unaufgeklärtem Mainstream-Hirn weitgehend negative und gänzlich fehlleitende Assoziationen auf, die den Begriffen kaum gerecht werden können. Um ersteres F-Wort von dem Irrglauben es wäre teuer und hässlich, sowie dem Bild der steif-kratzigen Stoffe, prüden Pädagogen oder dem alternativen Kommunen- und Selbstversorgerleben zu befreien, haben wir es uns zur Aufgabe gemacht coole Labels vorzustellen, die umdenken, dem gängigen Klischee widersprechen und uns Lust auf Slow-, Fair- oder Sustainable Fashion machen. In unserem Umdenker-Talks lassen wir die Designer sprechen und zeigen, wie es möglich werden kann, selbst ein bisschen grüner, nachhaltiger oder fairer zu leben. Es ist eine Zeitgeisterscheinung sich konsequenter mit seiner Umgebung auseinanderzusetzen – ja, man könnte fast sagen, ein Trend, der bleiben darf. Ob wir auf’s Fahrrad umsteigen, Öko-Energie beziehen, Bio-Produkte essen, Veganer und Vegetarier werden, fair produzierte Mode tragen oder uns einen Mix aus all dem zusammenstellen, wir werden bewusster und wissen, dass es an der Zeit ist, mit kleinen Veränderungen bei sich selbst anzufangen. Wir wollen diese Umbruchphase leichter machen, ohne uns selbst als Pioniere oder Vorbilder darzustellen, denn das sind wir nicht. Aber ein kleiner Schritt in die richtige Richtung kann zu einer gesellschaftlichen Umbruchphase führen.

Bei unserem Umdenker Talk der Woche schreit alles nach ‘Bella Italia’ und ‘La Dolce Vita’, ob das verwendete Leder, die Produktionstechnik, die Ästhetik oder die Liebe der Gründerin Anna Karolina Engelhardt zum Land. Sogar der Name der aktuellen Kollektion “a mano” – übersetzt bedeutet das so viel, wie “von Hand” – steht ganz im Zeichen von südlicher Lebenskultur und traditioneller Handwerkskunst. Mit ihrem Leder-Accessoire-Label fertigt Anna Taschen in zeitlosem Design mit modernen Details und klaren Linien. Die unterschiedlichen Modelle gibt es in Farben, wie “Macchiato” und das Material ist aus italienischem Qualitätsleder, gefertigt wird das Ganze jedoch im deutschen Hamburg und nur auf Nachfrage. Slow-Fashion, wie es im Modebuche steht. Mit dem Label, das Anna in 2017 gründete, sollte sich wieder auf die Handwerkskunst zurück besinnt, Qualität über Quantität gestellt und der Handarbeit ihren Status zurückgegeben werden. Die Endprodukte sind nachhaltige Taschen, die bleiben und nicht beliebig gegen das neueste It-Modell vom Retailer ausgetauscht werden. Viva la sostenibilità!

Schaut sie euch auch bei Instagram an, hier einmal ganz offiziell, hier ein bisschen persönlicher!

Wie stellst du dir eine Friede-Freude-Eierkuchen-Welt vor?
Entschleunigung – überlegter Konsum und Wertschätzung der Herstellungskette in allen Bereichen. In Bezug auf Mode…
Bewusster Blick auf, und Unterstützung von Labels, die im eigenen Land produzieren oder die für nachhaltige Produktion und die hochwertige Verarbeitung ihrer Produkte einstehen.
Meinungsmacher & Influenzer sollten sensibilisieren auf ausgewogenen Konsum oder mehr Marken vorstellen, die für hochwertige Verarbeitung und Langlebigkeit ihrer Produkte stehen – eine perfekte Mischung aus Umwelt- und Trendbewusstsein.

Was macht deine Brand konkret, um dieser Welt näher zu kommen?
Ich besinne mich zurück, auf verloren gegangene Werte in der Tradition von Handarbeit und Handwerk, welche ich in Italien erlernt habe. Derzeit fertige ich jede Tasche komplett selbst und produziere ausschließlich auf Kundenwunsch, auf Bestellung. So entstehen meine Produkte in Kleinserien mit geringen Stückzahlen. Dies lässt mich ressourcenschonend arbeiten und ich kann gleichzeitig kleine Kundenbedürfnisse in den Fertigungsprozess mit einbringen. Das hochwertige italienische Kalbsleder, welches ich verwende, verspricht ein langlebiges Produkt, an dem man lange Freude hat – so entsteht ein modisches, wie auch nachhaltiges Produkt.

Wie können wir alle unseren Alltag bewusster gestalten?
Bewusster konsumieren in allen Lebensbereichen. Augen offen halten nach lokalem Design und dieses Unterstützen, um auch Handwerkstraditionen im eigenen Land zu erhalten. Hinterfragen, wo etwas produziert wurde, wer es produziert hat und welche Materialien verwendet werden. Zu wissen, woher die Materialien kommen und unter welchen Bedingungen Produkte produziert und verarbeitet wurden, fühlt sich gut an und zollt den Menschen und der Umwelt entlang des Produktionsweges den entsprechenden Respekt.