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UMDENKER TALK – EARLY

UMDENKER TALK – EARLY

Fair Fashion – genau wie Feminismus – ruft im unaufgeklärtem Mainstream-Hirn weitgehend negative und gänzlich fehlleitende Assoziationen auf, die den Begriffen kaum gerecht werden können. Um ersteres F-Wort von dem Irrglauben es wäre teuer und hässlich, sowie dem Bild der steif-kratzigen Stoffe, prüden Pädagogen oder dem alternativen Kommunen- und Selbstversorgerleben zu befreien, haben wir es uns zur Aufgabe gemacht coole Labels vorzustellen, die umdenken, dem gängigen Klischee widersprechen und uns Lust auf Slow-, Fair- oder Sustainable Fashion machen. In unserem Umdenker-Talks lassen wir die Designer sprechen und zeigen, wie es möglich werden kann, selbst ein bisschen grüner, nachhaltiger oder fairer zu leben. Es ist eine Zeitgeisterscheinung sich konsequenter mit seiner Umgebung auseinanderzusetzen – ja, man könnte fast sagen, ein Trend, der bleiben darf. Ob wir auf’s Fahrrad umsteigen, Öko-Energie beziehen, Bio-Produkte essen, Veganer und Vegetarier werden, fair produzierte Mode tragen oder uns einen Mix aus all dem zusammenstellen, wir werden bewusster und wissen, dass es an der Zeit ist, mit kleinen Veränderungen bei sich selbst anzufangen. Wir wollen diese Umbruchphase leichter machen, ohne uns selbst als Pioniere oder Vorbilder darzustellen, denn das sind wir nicht. Aber ein kleiner Schritt in die richtige Richtung kann zu einer gesellschaftlichen Umbruchphase führen.

Im Laufe unsere Reihe ‘Umdenker Talks’ haben wir festgestellt, dass es bei Fair-, Slow-, Sustainable- oder Eco-Fashion nicht nur um die Stoffe, die Bezahlung und die Produktion geht, sondern dass sich das Konzept auch ins Design überträgt: Es sollen Teile entstehen, die zeitlos sind, die essentiell sind, sich mit höchster Qualität tagtäglich in unseren Kleiderschrank integrieren können und die vor allem keine Wegwerfware sind. Genau nach diesem Prinzip funktioniert auch Valerie Sietzys Brand Early. Hier werden Lederaccessoires geschaffen, die bleiben. Taschen, die wir auch in 30 Jahren noch tragen wollen, Portemonnaies, die keinem Trend hinterherlaufen und trotzdem dem Zeitgeist entsprechen. Die Linien sind klar, die Schnitte minimalistisch und klassisch, die Auswahl an Leder groß. Es wird nur regional und fair in der näheren Umgebung von Frankfurt produziert, verwendet wird dabei bloß pflanzlich gegerbtes Leder. Und gegerbt wird mit Tara-Schoten, Valonea-Eicheln, Rhabarber und seit Neuestem mit Olivenblättern in deutscher oder italienischer Produktion, außerdem wird auf Vintagebestände einer Traditionsmanufaktur zurückgegriffen. Es geht darum die Ressourcen zu schonen, nur kurze Wege zurücklegen zu müssen, darum so wenig Emissionen wie möglich zu produzieren und enge Lieferantenbeziehungen zu pflegen. Wir haben mit Valerie geredet und sie hat uns von ihrer persönlichen Utopie und dem Umdenken von Early erzählt.

Wie stellst du dir eine Friede-Freude-Eierkuchen-Welt vor?
Frieden. Mehr Miteinander, mehr Güte, gerechtere Verteilung von Reichtum und Möglichkeiten. Achtsamkeit gegenüber der Natur und den Menschen. Innovation, um die Schäden der Vergangenheit zu beheben. Weniger Ego.

Eine gute Balance aus Arbeit, die man gerne macht und Freizeit.

Liebe.

Was macht deine Brand konkret, um dieser besseren Welt näher zu kommen?
Achtsamkeit und Wertschätzung sind das Fundament unserer Arbeit. Es ist mir sehr wichtig, einen guten persönlichen Kontakt mit meinen Produzenten zu haben und gemeinsam mit Ihnen zu arbeiten. Ich habe größten Respekt vor Ihrer Handwerkskunst und finde es selbstverständlich dafür angemessene Preise zu zahlen. Das Design der EARLY Produkte ist zeitlos und Leder ein Naturprodukt das sehr langlebig ist.

Unser Leder ist pflanzlich gegerbt, aus deutscher Produktion, größtenteils mit Olivenblatt Gerbstoff, der aktuell das verträglichste Verfahren für Mensch, Ressourcen und Natur ist. (Details dazu gibt es auf der Webseite).Aber auch Kleinigkeiten wie Papierklebeband statt Plastik oder Recyclingpapier finde ich wichtig. Wir versuchen generell so viele gute Entscheidungen zu treffen, wie möglich. Natürlich stößt man a hier und da an Grenzen, und es gibt immer wieder Bereiche, in denen ich Raum für Weiterentwicklung sehe. Das Entscheidende für mich ist, ein Bewusstsein für Ökologie und Soziales zu haben das Alles begleitet.

Es gibt auch Projekte, wie eine vegane Linie und weitere Upcycling Editionen, an der wir schon länger arbeiten, die hoffentlich bald in Produktion gehen können.

Was können wir alle unseren Alltag bewusster gestalten?
Ich glaube, dass alle Praktiken die unserer Sensibilität uns selbst und unseren Mitmenschen gegenüber fördern uns weiterbringen: Also Yoga, Meditation, Autogenes Training, Tanzen, usw.

Außerdem hilft es, nicht den Anspruch zu haben immer alles perfekt machen zu müssen, aber dafür immer wieder eine Verpackung weniger zu verbrauchen, einmal mehr die ökologische Variante kaufen, mehr reparieren, ausleihen, teilen.