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UMDENKER TALKS – CORVERA VARGAS

UMDENKER TALKS – CORVERA VARGAS

Fair Fashion – genau wie Feminismus – ruft im unaufgeklärtem Mainstream-Hirn weitgehend negative und gänzlich fehlleitende Assoziationen auf, die den Begriffen kaum gerecht werden können. Um ersteres F-Wort von dem Irrglauben es wäre teuer und hässlich, sowie dem Bild der steif-kratzigen Stoffe, prüden Pädagogen oder dem alternativen Kommunen- und Selbstversorgerleben zu befreien, haben wir es uns zur Aufgabe gemacht coole Labels vorzustellen, die umdenken, dem gängigen Klischee widersprechen und uns Lust auf Slow-, Fair- oder Sustainable Fashion machen. In unserem Umdenker-Talks lassen wir die Designer sprechen und zeigen, wie es möglich werden kann, selbst ein bisschen grüner, nachhaltiger oder fairer zu leben. Es ist eine Zeitgeisterscheinung sich konsequenter mit seiner Umgebung auseinanderzusetzen – ja, man könnte fast sagen, ein Trend, der bleiben darf. Ob wir auf’s Fahrrad umsteigen, Öko-Energie beziehen, Bio-Produkte essen, Veganer und Vegetarier werden, fair produzierte Mode tragen oder uns einen Mix aus all dem zusammenstellen, wir werden bewusster und wissen, dass es an der Zeit ist, mit kleinen Veränderungen bei sich selbst anzufangen. Wir wollen diese Umbruchphase leichter machen, ohne uns selbst als Pioniere oder Vorbilder darzustellen, denn das sind wir nicht. Aber ein kleiner Schritt in die richtige Richtung kann zu einer gesellschaftlichen Umbruchphase führen.

Bei unseren Umdenker-Talks geht es natürlich in erster Linie darum, euch zu zeigen, wie einfach und stilvoll es sein kann, Fast-Fashion zu entsagen, zusätzlich und an zweiter Stelle geht es uns darum, kleine Labels zu unterstützen, die noch keine große Medienaufmerksamkeit bekommen haben, diese aber verdienen. Auch Corvera Vargas fällt in diese Kategorie, das Berliner Label hat seinen Store in der Ecke des Maybachufers und gehört somit zum modischen Interieur unserer Stadt. Lokal und kollegial, so haben wir das Fair Fashion Label zum ersten Mal wahrgenommen. Aber natürlich interessiert uns nicht nur Proximität, sondern neben Produktionstechniken und Nachhaltigkeitsfaktoren, auch der Look. Die, von Maria Corvera in 2013 gegründete, Marke verbindet Lässigkeit mit Schneiderscheren-scharfen Schnitten, die ihre Gültigkeit nicht verlieren können. Corvera Vargas macht Langzeitlieblinge, die wir auch in Jahrzehnten noch tragen wollen – ob Trench, Alpaka-Knit oder Culettes mit Bundfalten. Inspiriert ist das Ganze von Marias Heimat Bolivien, woher auch das Material für die Aplaka-Designs kommt und in Kooperation mit einer Fair Trade Initiative von bolivischen Landwirten und Kunsthandwerkern hergestellt wird.

Neben diesen Werten, steht bei der Berliner Brand vor allem die No-Waste-Policy im Vordergrund: 95 Prozent der Kollektionen werden aus Produktionsresten geschaffen, die andernfalls das Innerer einer Mülltonne gesehen hätten, anstatt das Äußere einer Hauptstadtfrau zu kleiden. Wir haben mit Maria und ihrem Team über eine Anti-Ellenbogen-Kultur, bewussten Konsum und Fairness gesprochen.

Das Corvera Vargas Team: Annika, Maria und Abbey

MINI-INTERVIEW

Wie stellst du dir eine Friede-Freude-Eierkuchen-Welt vor?
Puh, die Frage ist ganz schön schwer zu beantworten ohne dabei in Floskeln zu fallen!

Als Maria vor ein paar Jahren ihr Geburtsland Bolivien besucht hat um nach Produktionspartnern zu suchen, hat sie bis tief in die Nacht mit einer Strickerin zusammengearbeitet und ihr danach als Dankeschön ein kleines Extra-Trinkgeld gegeben – die Frau ist in Tränen ausgebrochen, weil ihr normaler Lohn viel zu gering war um davon ein Leben aufzubauen. Solche Geschichten haben unsere Wahrnehmung von der Welt sehr geprägt.

In unserer kleinen Berlin-Bubble scheint es manchmal so, als ob wir uns eine Friede-Freude-Eierkuchen-Welt aufgebaut haben: die ganze Nachbarschaft um unseren Shop herum ist miteinander befreundet; wir haben ein großes Netzwerk mit anderen unabhängigen Labels, die sich alle gegenseitig unterstützen; das Maybachufer und viele wunderschöne Cafés sind um die Ecke und wir können seit Jahren das machen, was wir wollen und davon leben – das ist ein Privileg, für das wir täglich dankbar sind, aber ohne jahrelange, harte Arbeit und viel Support von außen wäre das nie möglich. Daraus lässt sich keine Formel für die globale Ungleichheit gestalten, aber vielleicht ist es ein Ansatz für eine Friede-Freude-Eierkuchen-Welt: Menschen unterstützen sich gegenseitig dabei, ihre Ideen zu realisieren und jeder wird für seine Arbeit anerkannt und fair bezahlt.

Was macht deine Brand konkret, um dieser besseren Welt näher zu kommen?
Wir arbeiten mit einer bolivianischen Fair-Trade-Kooperative zusammen, die Pullover und Strickjacken aus Alpakawolle für uns produziert: Die Wolle kommt von traditionellen Alpakazüchtern und wird von Coproca, einem regierungsunabhängigem Unternehmen (das einzige, was nicht in ausländischen Händen ist) weiterverarbeitet, um anschließend von einem Ehepaar in El Alto zu Pullovern verstrickt zu werden. Das ganze System ist transparent und unterstützt die lokalen Ressourcen.

Außerdem sind fast all unsere verwendeten Stoffe Reste aus der Industrie, um so den produzierten Abfall in der Modewelt zu verringern. Das heißt manchmal, dass wir nur ganz kleine Serien oder sogar Einzelstücke produzieren können – was aber wiederum zu einer viel größeren Wertschätzung der Produkte führt!

Wie können wir alle unseren Alltag bewusster gestalten?
Wir können uns mehr vor Augen halten, was wir eigentlich alles haben und wie privilegiert wir sind. Auf unseren Konsum bezogen heißt das, schnelle Kaufentscheidungen doppelt zu hinterfragen und lieber auf Qualität statt Quantität zu setzen – lieber ein Teil zu haben, was wirklich besonders ist und lange hält, anstatt vier Sachen auf einmal, die schnell kaputt gehen und eigentlich nur zum Wegwerfen gemacht sind.

Das kann man auch spielerisch angehen: Wir sind großer Fan von der #30wearchallenge von Livia Firth, der Gründerin von Eco-Age – kurz zusammengefasst fragt man sich bei jedem Kauf: Werde ich dieses (z.B.) Kleid mindestens 30 Mal tragen? Nur wenn man das mit „Ja“ beantworten kann, darf gekauft werden. Das ist zumindest ein guter Anfang.

Abgesehen davon können wir uns über Produktionsbedingungen informieren, und wenn sie uns unfair erscheinen, uns selbst hinterfragen ob wir das wirklich mit unseren ethischen Vorstellungen vereinbaren können.

SHOP THE POST

Artikel von links nach rechts:

Cross-Over Knit, Alpaka, 165 Euro
Button Skirt, 69 Euro
Bomber, Alpaka, 239 Euro
Cross Over Bag, 235 Euro
Culottes, 129 Euro