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UMDENKER TALKS – MAQU

UMDENKER TALKS – MAQU

Fair Fashion – genau wie Feminismus – ruft im unaufgeklärtem Mainstream-Hirn weitgehend negative und gänzlich fehlleitende Assoziationen auf, die den Begriffen kaum gerecht werden können. Um ersteres F-Wort von dem Irrglauben es wäre teuer und hässlich, sowie dem Bild der steif-kratzigen Stoffe, prüden Pädagogen oder dem alternativen Kommunen- und Selbstversorgerleben zu befreien, haben wir es uns zur Aufgabe gemacht coole Labels vorzustellen, die umdenken, dem gängigen Klischee widersprechen und uns Lust auf Slow-, Fair- oder Sustainable Fashion machen. In unserem Umdenker-Talks lassen wir die Designer sprechen und zeigen, wie es möglich werden kann, selbst ein bisschen grüner, nachhaltiger oder fairer zu leben. Es ist eine Zeitgeisterscheinung sich konsequenter mit seiner Umgebung auseinanderzusetzen – ja, man könnte fast sagen, ein Trend, der bleiben darf. Ob wir auf’s Fahrrad umsteigen, Öko-Energie beziehen, Bio-Produkte essen, Veganer und Vegetarier werden, fair produzierte Mode tragen oder uns einen Mix aus all dem zusammenstellen, wir werden bewusster und wissen, dass es an der Zeit ist, mit kleinen Veränderungen bei sich selbst anzufangen. Wir wollen diese Umbruchphase leichter machen, ohne uns selbst als Pioniere oder Vorbilder darzustellen, denn das sind wir nicht. Aber ein kleiner Schritt in die richtige Richtung kann zu einer gesellschaftlichen Umbruchphase führen.

Zero-Waste, Made-to-Order, Nachhaltig, Bio, Upcycling und Kleinserien – das sind nur ein paar der Schlagwörter, die uns bei der Recherche des Berliner Labels Maqu entgegengesprungen sind. Die peruanische Designerin Marisa Fuentes Prado gründete das Maqu Green Project in der deutschen Haupstadt und es wurde sehr schnell klar, dass hier keine halben Sachen gemacht werden. Denn Nachhaltigkeit ist ebenso auslegungssache, wie es Bio-Siegel und Manifesti über faire Produktion sind. Marisa entschied sich also dafür nicht nur komplett auf GOTS zertigizierte Bio-Baumwolle umzurüsten, sondern jeden einzelnen Aspekt der Herstellung, sowie Vermarktung so umweltfreundlich, wie nur möglich, zu gestalten. Daher wird aus Restbeständen, ohne Abfall produziert, Altes aufgewertet, wo es nur geht, nur produziert, wenn die Nachfrage besteht, und an neuen, nachhaltigeren Alternativen geforscht.

Die kleinen Kollektionen entstehen in enger Zusammenarbeit mit Kunsthandwerker*innen und Näher*innen aus der Gegend um Lima herum, deren Lebensunterhalt relativ zum deutschen Mindestlohn angepasst wird. Im April begibt sich Marisa auf eine Reise nach Peru, die die Dokumentation von Lebens- sowie Arbeitsbedingungen und Geschichten der Menschen als Resultat haben wird. Ziel ist es moderne Technik mit lokalen Traditionen zu verknüpfen und alte Webtechniken zu bewahren.

Wer seine liebsten Kleidungsstücke vor dem Verfall retten will, der kann zu Marisa ins Studio, in der Libauer Straße 4, kommen und zusammen mit ihr überlegen, wie dem Teil ein zweites Leben eingehaucht werden kann. Dabei könnt ihr natürlich direkt die aktuelle Kollektion bewundern. Ansonsten schaut bei Instagram oder auf der Webseite vorbei und lest unser Mini-Interview:

WIE STELLT IHR EUCH EINE FRIEDE-FREUDE-EIERKUCHEN-WELT VOR?
So wie es schon unter meinen Freunden ist, wo alle sehr lieb zueinander sind, die Natur und die Tiere respektiert und bewundert werden. In dieser Welt gibt es keine Armut, da alle Menschen aufeinander achten und sich helfen. Vorurteile und Neid sind uns fremd. Wir arbeiten zusammen – für alle anderen Menschen und den Erhalt dieser wundervollen Welt.

WAS MACHT DEINE BRAND KONKRET, UM DIESER WELT NÄHER ZU KOMMEN?
Wir zeigen uns wie wir sind. Uns ist die Kommunikation mit unseren Partnern sehr wichtig.

In Peru arbeiten wir mit Menschen zusammen, die ich seit über 10 Jahren kenne und achten neben unseren Qualitätsstandards darauf, dass Arbeitsbedingungen und Entlohnung einen vergleichbaren Lebensstandard gewährleisten, wie er in Deutschland mit dem Mindestlohn erreichbar ist. Dafür haben wir uns das Verhältnis von Gehalt, Lebenshaltungskosten, Arbeitszeit, Zeitdruck und persönlicher Zufriedenheit angesehen.

Wir nutzen bei allem was wir machen die umweltfreundlichste Alternative und sind immer auf der Suche nach noch besseren Möglichkeiten. Das betrifft den Anbau der Baumwolle, die Tierhaltung, die Nutzung von Energieträgern, Beleuchtung, Dämmung, Mobilität, Ernährung, etc.

WIE KÖNNEN WIR ALLE UNSEREN ALLTAG BEWUSSTER GESTALTEN?
Wir können uns fragen, was wir wirklich wollen und was wirklich wichtig ist.

Vielleicht brauchen wir nicht immer alles, was wir zunächst haben wollen. Einiges überzeugt nur im ersten Augenblick. Ich freue mich zum Beispiel darüber, wenn Dinge lange halten, da ich mit ihnen auch viele Erlebnisse und Erinnerungen verbinde. Die riesige Auswahl an allem erstickt oft, schränkt ein und nimmt uns die Zeit für das Wesentliche, uns selbst oder einfach die Entspannung. Weniger Konsum und dafür besser – in allen Lebensbereichen.

Es ist wichtig mit dem Menschen zu sprechen und zu zeigen wie alles zusammenhängt, das versuchen wir in unserem Store & Studio.

 

Fotografie von Emmi Lonka und Christian Rinke