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Die 3 Hyères Newcomer 2019, die ihr kennen solltet

Die 3 Hyères Newcomer 2019, die ihr kennen solltet

Das Hyères Festival findet seit 1986 jährlich in der Bauhaus-Villa Noailles aka Château Saint Bernard an der Mittelmeerküste Frankreichs statt und gilt als Indikator für die Zukunft der Modeindustrie. Wer hier vertreten, nominiert oder eingeladen ist, der gehört entweder schon zum festen Zirkel der High Fashion Welt, oder wird als vielversprechender Newcomer gehandelt. In den Kategorien Mode, Fotografie und Accessoires wird jeweils zehn Finalisten die Plattform geboten ihre Werke und Entwürfe zu präsentieren und einer großen Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Zusätzlich können Preisgelder, sowie Kooperationen mit Marken wie Chanel, Swarovski oder Chloé gewonnen werden. Den jungen Designern wird so ermöglicht Fuß in der Branche zu fassen, ihre Kenntnisse und Kontakte weiter auszubauen, als auch ihre eigenen Labels zu gründen und ihre Entwürfe auf den Markt zu bringen. Branchen-Insider, wie die Kreativdirektorin von Chloé Natacha Ramsay-Levi, Mitglieder der französischen Vogue oder des AnOther Magazines, berühmte Models, Fotografen, oder Schauspieler können so die Perspektiven in der Modelwet mitgestalten. Es ist ein Fingerzeig der Industrie, der uns die Richtung weist, in die sie sich entwickeln wird. Daher stellen wir euch unsere persönlichen Neuentdeckungen vor, von denen wir sicher sind, sie bald an den Spitzen der berühmtesten Häuser sitzen zu sehen.

 Foto No.1 via theglasspunk und Sicky Mag  | Foto 2-4 von Fotograf Jorge Perez Ortiz via VOGUE Germany

Fotos 1-3 von Pierrick Rocher via VOGUE Germany | Fotos 4-6 von Etienne Tordoir via VOGUE Germany | Fotos 7-8 von Etienne Tordoir via Latvian Design Centre 

 

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Grand Vision, so der Name des Preises, den der gebürtige Grazer Christoph Rumpf dieses Wochenende beim Hyères Festival verliehen bekam. Passend für den 25-Jährigen, der mit seiner Kollektion eine neue Ära des Anti-Minimalismus einleitet, oder wie es die deutsche Vogue nennt: „Die Rückkehr der Opulenz“. Seine Entwürfe scheinen nicht nach Tragbarkeit oder Funktionalität ausgerichtet zu sein. Viel mehr sind sie eine Brücke zwischen Mode und Architektur, zwischen Kleidung und Historie – mit einer Tangente zur bildenden Kunst. Sie wirken wie Laufsteg-Skulpturen und könnten sich ohne Probleme in die Kategorie Haute-Couture einordnen, mit ihren Aus-dem-Kontext-Proportionen und aufwändigen Stoffen. Dabei verfolgt Christoph Rumpf einen Upcycling-Ansatz: Teile der verwendeten Stoffe kommen aus Restbeständen oder von Flohmärkten, so bindet er zum Beispiel persische Teppiche, Vorhänge und Kronleuchter-Teile in seine Designs mit ein. So will der österreichische Designer das Thema Überproduktionen ansprechen. Zwischen Nachhaltigkeit und Pracht findet sich zusätzlich das Thema einer neuen Männlichkeit, einer Männlichkeit, der Verletzlichkeit nicht entgegensteht, die nicht mit dem Begriff „Glamour“ konkurriert, sondern ihn einbezieht. Es ist eine Menswear-Kollektion, die unisex ist ohne dabei Geschlechter zu negieren oder auf ein heteronormatives Ideal zu begrenzen.

Die französische Designerin Lucille Thievre arbeitete fünf Jahre lang für berühmte Designhäuser bevor sie sich entschloss ihr eigenes Label zu gründen. Mit ihren persönlichen Kreationen fängt sie eine französische Unbeschwertheit ein, die neben Leichtigkeit auch eine offene stereotyp-französische Sexualität wiedergibt. Inspiriert wurden ihre Entwürfe nämlich nicht nur von Lucilles Heimatregion, sondern auch von den Kleidern, die ihre Mutter trug, als sie noch Kind war. Die sieben Schnittmuster, die Lucille für das Hyères Festival entwarf, greifen einen 80s Vibe auf, zeigen viel Haut, erinnern an Lingerie oder Kleidung, die in einem Pina Bausch Stück getragen werden könnte. Das größte Stilmittel der Kollektion sind Elastizität, Raffungen und Sinnlichkeit. Es sind Kleider, die sich mit der Bewegung anpassen, die fließen, und dem Körper nicht seine Form nehmen. Die Designerin selbst beschreibt sie als „eine Geste der Zärtlichkeit“ – uneingeschränkte, starke Weiblichkeit.

 

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Unter den zehn Finalisten der Modekategorie aus über 300 Bewerbungen ist auch die Lettländerin Dita Enikova, die ihre Diplom Kollektion „Avoiding the Void“ präsentierte. Ihre Kollektion ist von einem Materialmix aus Leder und Synthetik geprägt, ein Look, der Gegensätze auseinandernimmt und mit Hilfsmitteln, wie Schlaufen und Nieten, wieder zusammensetzt. Oversize trifft geraffte Taillierung, schwarze Stoffe auf weiße, improvisiert-wirkende Nähte und Drapage auf Tailoring. Es ist ein Mix, der uns augenblicklich an Dekonstruktions-Fashion à la Comme des Garcons und Margiela denken lässt, an eine distopische Zukunft und die deutsche Netflix-Produktion „Dark“. Hervorgerufen werden diese Assoziationen durch lange Lederkutten, die an die Uniformen Science-Fiction Krieger erinnern, aus denen Nylon-Kapuzen im Karantäne-Stil hervorkommen. Die Kollektion erschafft eine Art Distanzierung des Trägers zu seiner Außenwelt, ein Phänomen, das von der Fremdheit der baltischen Staaten vom Rest Europas beeinflusst wurde. Der nördliche Charakter Lettlands soll so durch Kleidung eingefangen werden, die viel mehr Design-Objekte sind als tatsächliche Tragbarkeit vermitteln.

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https://www.youtube.com/watch?v=zEIF0NIyPHc&feature=youtu.be