Kosmos, Kulturfilter

FEMALE CHANGEMAKERS – WEIL INKLUSION KEIN TREND IST

FEMALE CHANGEMAKERS – WEIL INKLUSION KEIN TREND IST

Letzte Woche hat uns die deutsche Medienlandschaft gleich drei Mega-Skandale eingebracht: Auf der intimen FAZ-Jubiläumsparty, wurde AfD-Chef Gauland unter den Gästen gesichtet, während Barbara Schöneberger sich öffentlich über geschminkte Männer aufregte, und die deutsche Elle und deren Chefredakteurin Sabine Nedelchev von Diet Prada zurecht für ihre „Back to Black“-Ausgabe angeprangert wurden. Die deutsche Medien- und Printlandschaft hat ein Diversitätsproblem – ob es um Politik, Geschlechterrollen oder Hautfarben geht. Das erkannte die deutsche Vogue bereits vor über einem Jahr und verpflichtete Alexandra Bondi de Antoni für die Neuausrichtung der Online Seite: Seitdem können wir unter dem Thema „Weil Sichtbarkeit das Wichtigste ist“ über Feminismus, neue Männlichkeit, Alltagsrassismus, Cultural Appropriation oder Inklusion in der Modebranche lesen. Auch wir beschäftigen uns schon länger mit dem Thema und haben im Juni, innerhalb der Berliner Fashion Week und zusammen mit der Plattform She’s Mercedes, einen Talk zum Thema Female Changemakers gehalten. Dabei waren Cloudy Zakrocki, Vice President für internationale Content- und Brand-Strategien von Refinery 29, Stefanie Dettman, Co-Gründerin der nachhaltigen und organischen Beauty-Brand Und Gretel, als auch Sema Gedik, die Gründerin des weltersten Modelabels für Kleinwüchisge Auf Augenhöhe. Wir haben uns über Mode als Spiegel der Gesellschaft, über eine neue Leitkultur, ein selbstewussteres Frauenbild, und Inklusion und Diversität in der Lifestyle-Branche ausgetauscht. Aus gegebenem Anlass wollen wir das Video nun jetzt mit euch teilen.

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https://www.youtube.com/watch?v=qQpykAI1GwI&t=102s

Bilder von Sabine Brauer Photography

Wer keine 40 Minuten Zeit hat, um sich das ganze Video anzuschauen, kann hier eine kurze Zusammenfassung mit unseren Kern-Ideen, -Thesen und –Argumentationen finden. Wir, als all-female Unternehmen, und vor allem als weibliche Führungskräfte werden immer wieder mit Stereotypen und Vorurteilen konfrontiert. So wurde Cloudy auf einer Konferenz statt als Key-Note Speakerin erkannt zu werden, als +1 identifiziert und ich durfte mir schon des Öfteren anhören, dass meine Röcke zu kurz, mein Lippenstift zu rot oder mein Gesicht zu hübsch sei, um mein eigenes Unternehmen zu leiten. In einer Gesellschaft, wie der unseren, die von patriarchalen Strukturen und einer Männer-Dominanz geprägt ist, gab es jeher wenig Raum für die Entfaltung der Frauen. Und wenn doch, dann als Vorzeige-Hausfrau, Mutter oder Sexobjekt. Dabei fragen wir uns immer wieder, was das denn eigentlich bedeuten soll „weiblich“ zu sein? Und die Antwort finden wir, wenn wir uns umgucken. Weiblich bedeutet nämlich nur, sich als Frau auszuleben und sich nicht dafür schämen zu müssen. Gerade durch die Globalisierung und die Digitalisierung wird uns bewusst, dass es nicht nur ein einziges weißes-blondes Frauenbild mit Kleidergröße 34 gibt, sondern dass wir alle verschieden sind und es auch sein dürfen, ja, sogar zelebrieren sollten. Wir können durch Social Media und Co. an den Leben von Frauen auf der anderen Seite der Welt teilnehmen, können sehen, welche Wege sie einschlagen und vor welchen Herausforderungen sie stehen. Wir stehen im Austausch, wir verbinden und wir stärken uns. Wir geben uns gegenseitig Inspiration für das eigene Leben und werden immer lauter, selbstbewusster und stärker. Dieses Phänomen ist nicht nur für uns Frauen wichtig, sondern für alle Minderheiten. Es geht darum das Gefühl zu haben, nicht alleine zu sein. Dieses Denken fängt bei den privaten Kanälen an, muss aber besonders an die großen Medienplattformen weitergetragen werden, denn diese haben einen Bildungsauftrag: Sie müssen Perspektiven zeigen, die noch nicht gehört wurden, eine Plattform für jeden Blickwinkel bieten und ganz gezielt Tabuthemen durchbrechen. Dabei muss bewusst sein, wie es mir gerade bewusst ist, dass wir aus einer privilegierten Position heraus arbeiten und kommunizieren. Besonders wichtig ist der Austausch, das richtige Zuhören, und ein Verstehen. Wir müssen versuchen uns in andere Menschen zu versetzen und deren Perspektiven und Gefühle nachzuvollziehen, und wenn wir dies nicht können, sollten wir nachfragen. Bis wir gemeinsam laut werden können.

Dabei ist das Schlagwort Empathie. Ein Wort, was jeder in seinem persönlichen Vokabular verinnerlicht haben sollte, und das nun auch Platz in der Business-Welt findet. Denn Empathie wird im Berufsleben nun nicht mehr mit Schwäche gleichgesetzt, sondern als integraler Teil eines neuen Leadership-Stils gesehen. Statt unsere konventionell-stereotypen weiblichen Eigenschaften zu verstecken und zu vermeiden, werden diese nun gefeiert. Wo es früher darum ging mit den Männern im Berufsleben mitzuhalten und bloß keine Angriffsfläche zu bieten, da werden nun männliche Führungskräfte in weiblichen Führungsqualitäten geschult. Denn was früher als Schwäche galt, wird nun als Stärke erkannt: Wer seinen Mitarbeiten zum Beispiel besser zuhört und auf deren Gefühle und Wünsche eingehen kann, der hat ein glücklicheres und damit auch gleich ein effektiveres Team. Wir wollen schließlich alle morgens aufstehen und uns auf den Tag und das Büro oder den Job freuen. Wer faire Bedingungen schafft, der wird mit effektiver und effizienterer Arbeit belohnt. Wer seinen Arbeitnehmern den Raum gibt eigene Interessen zu verfolgen und niemanden in eine vorgeformte Position drücken will, der kann mit Innovation und Motivation rechnen. Auch für das Unternehmen kann eine weibliche Führungsweise positive Auswirkungen haben. Eine Umfrage von Female Founders Monitors hat herausgefunden, dass 50 Prozent aller Unternehmerinnen gesellschaftliche und soziale Ziele mit ihrem Unternehmen verfolgen. In der Männerwelt sind die Zahlen mit 36 Prozent um einiges niedriger. Frauen, und wir wollen hier natürlich nicht verallgemeinern, scheinen eher in Richtung Nachhaltigkeit und Empowerment zu denken, wenn es um Business-Entscheidungen geht. Es soll nicht darum gehen ein Unternehmen so schnell wie möglich auf den Markt zu bringen, hochzuskalieren und dann möglichst gewinnbringend zu verkaufen. Es soll darum gehen, etwas Bleibendes zu hinterlassen, was langfristisg überdauern kann und die Welt ein klein bisschen besser macht. Wenn wir ein Unternehmen gründen, dann soll es moralisch und ethisch zu uns passen, wir wollen selbst gerne dort arbeiten wollen, und die angebotenen Produkte selber gerne konsumieren wollen. Wir wollen hinter etwas stehen und das geht nicht, wenn wir etwas auf Kosten anderer machen. Wir fordern also eine Mode- und Businesswelt in der mit mehr Empathie gehandelt wird – egal in welchem Themenbereich. Denn Wandel beginnt nicht nur im Kopf, sondern auch im Herzen und Inklusion kann niemals nur ein Trend sein.